Ströme aus Staub könnten Leben von Planet zu Planet tragen

    26. November 2017, 14:00
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    Schottischer Astrophysiker hält kleinskalige Ausbreitung von Mikroorganismen für möglich

    Edinburgh – Seit dem 19. Jahrhundert ist das bis auf den antiken griechischen Philosophen Anaxagoras zurückgehende Konzept der Panspermie in mehreren wissenschaftlichen Modewellen immer wieder diskutiert worden. Die Idee, dass Leben – primär in Form von Mikroorganismen – zwischen Planeten und sogar Sternsystemen reisen und so gleichsam "ausgesät" werden kann, hat dabei ganz unterschiedliche Formen angenommen. Vor kurzem erst veröffentlichte der deutsche Physiker Claudius Gros sein Konzept eines "Genesis-Projekts", mit dem der Mensch gezielt Lebenskeime zu Exoplaneten bringen könnte.

    Ob absichtliche Ausbreitung, versehentliche (durch kontaminierte Raumflugkörper) oder natürliche: In der Regel stehen dabei große Objekte als Transportmittel im Fokus – seien es Asteroiden, Kometen oder Raumschiffe. Einen anderen Weg, gewissermaßen auf kleinster Ebene, schlägt nun der Astrophysiker Arjun Berera von der Universität Edinburgh vor. Er glaubt, dass Mikroorganismen auch mit Strömen von kosmischem Staub reisen könnten.

    Austausch zwischen den Ökosphären

    Der Mechanismus, der dies ermöglicht, soll so aussehen: Die Erdatmosphäre wird laufend von Staubpartikeln aus dem All bombardiert, die sich mit bis zu 70 Kilometern pro Stunde bewegen. Diese könnten auch mit Partikeln kollidieren, die von der Erdoberfläche stammen und durch irgendein Ereignis – beispielsweise einen Einschlag – in die äußersten Schichten der Atmosphäre geschleudert wurden.

    Wenn sich solche Partikel auf 150 Kilometer Höhe oder noch weiter oben befinden, können sie laut Bereras Berechnungen durch eine solche Kollision aus dem Gravitationsfeld der Erde geschleudert werden. Wenn sich darunter auch Mikroorganismen befinden, würde dies einen regelrechten interplanetaren Austausch ermöglichen: Gäste von außerhalb erreichen die Erde, einheimische Lebensformen werden exportiert und könnten nach einer sehr langen Reise ihrerseits einen anderen Planeten "impfen". Wenn sie diese Reise überdauern – Bereras Konzept arbeitet mit einer ganzen Reihe von Wenns. (jdo, 26. 11. 2017)

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