Bachelor des Dumpfgummis: Über türkis-blaue Bildungspläne

Kolumne24. November 2017, 12:51
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Die Krisenkolume von Christoph Winder

Alles, was recht ist, aber Intellektuelle sind das Letzte, was wir beim Aufbruch Österreichs in eine neue Ära brauchen. Ein paar Astrophysiker oder Quantenmechaniker mögen noch hingehen, solange sie bei ihrem Leisten bleiben und sich politischer Wortmeldungen enthalten. Das geisteswissenschaftliche Gesocks aber, dem nichts anderes einfällt, als von der Seitenlinie hereinzuquerulieren und die Ratschlüsse der Regierung a priori infrage zu stellen, das ist mehr als verzichtbar.

Zum Glück scheinen das auch unsere türkis-blauen Verhandler verstanden zu haben. In ihren aufgeräumten Zusammenkünften, die stets wirken wie die Jahreshauptversammlung eines Konsortiums von Lachsäcken, haben sie sich darauf verständigt, dass übertriebene Bildungskosten in Österreich eingedämmt werden müssen.

Ihr Motto: Alles, was ein Mensch mehr weiß als ein Hydrant, ist ein Luxus. Ihre politische Vorgangsweise: Schulkosten auf der Stelle einfrieren (man gönnt sich ja sonst viel zu viel!). Ihre Zielsetzung: Die einzige Frage, die künftig bei der Matura noch beantwortet werden muss, ist die Frage: "Bist du deppert?". Und die Antwort muss natürlich ein donnerndes "Ja!" sein.

Worauf die Verhandler großen Wert legen: Das sukzessive schulische Herunterdimmen aller potenziellen Geistesblitze hat auf Deutsch zu erfolgen. Auf Deutsch radebrechenden Inlandskoffern gebührt der Vorzug vor den in ihren jeweiligen Idiomen radebrechenden Auslandskoffern, ebenso wie vor Inlandskoffern mit merklichem sprachlichem Migrationshintergrund.

Für den Anfang klingt das alles gut. Die Bestrebungen zur Eindämmung eines hypertrophen Bildungswildwuchses dürfen aber nicht in der Mittelschule haltmachen, sie müssen auch auf höhere Institutionen ausgeweitet werden.

Angedacht werden sollte etwa die Errichtung passender Fachhochschulen, die einen Bachelor zur Förderung des gesamtgesellschaftlichen Dumpfgummitums ebenso anbieten wie einen Master der Mattscheibe. Krönender Abschluss wäre ein PhD im Fach "Professsioneller Studienabbruch". Dass man diesen akademischen Grad nur erwerben kann, indem man sein Studium just nicht abbricht, klingt auf Anhieb paradox, sollte aber in Wahrheit kein Hindernis sein, einen entsprechenden Studienzweig auf Schiene zu bringen. (Christoph Winder, Album, 24.11.2017)

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