Neue Vogelart entwickelte sich in nur zwei Generationen

24. November 2017, 08:00
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Darwinfink verirrte sich auf isolierte Galapagosinsel und begründete dort eine neue Spezies

foto: b.r. grant
Als Geospiza conirostris auf der Insel Daphne Major ankam, war er dort ausschließlich von fremden Darwinfinkenarten umgeben.

Cambridge/Wien – Die Ankunft eines seltsamen Vogels auf einer abgelegenen Insel des Galapagos-Archipels vor 36 Jahren lieferte Wissenschaftern nun Hinweise auf einen verblüffend rasanten Weg zur Entstehung von neuen Arten. Wie ein Team um Sangeet Lamichhaney von der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) im Fachjournal "Science" berichtet, hatte sich der Neuankömmling von der Insel Española, ein Darwinfink der Spezies Geospiza conirostris, nach einer rund 100 Kilometer langen Reise auf der Insel Daphne Major niedergelassen.

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Die Art Geospiza fortis war nahe genug verwandt mit G. conirostris, dass sie gemeinsam fruchtbare Nachkommen hervorbringen konnten.

Da dort keine Vertreter seiner eigenen Art existierten, tat sich der Vogel mit einem Partner der nahe verwandten Art Geospiza fortis zusammen. Das Ergebnis waren Jungtiere mit den Merkmalen beider Spezies. Blutuntersuchungen zeigten nun, dass diese den Grundstock für eine eigene Art gebildet haben, der die Forscher den Spitznamen "Big Bird" gaben und die mittlerweile aus über 30 Individuen besteht.

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Das Ergebnis dieser Liason über Artgrenzen hinweg ist Big Bird, eine völlig neue Darwinfinkenart.

Die Nachkommen der beiden unterschiedlichen Eltern waren zunächst ebenso isoliert und paarten sich nicht mit anderen G.-fortis-Vögeln. Dies lag vor allem an ihrem Balzgesang, dem die alteingesessenen Tiere nichts abgewinnen konnten und die daher die seltsamen Hybride ignorierten. Dadurch blieb diesen nichts anderes übrig, als sich untereinander fortzupflanzen.

Die Wissenschafter vermuten, dass in der Vergangenheit auf den Galapagosinseln neue Darwinfinkenarten unter ähnlichen Umständen entstanden sind. Der Großteil dürfte wohl mehr oder weniger schnell wieder ausgestorben sein, aber einige könnten sich letztlich zu den 18 heute bekannten Arten entwickelt haben. (tberg, 24.11.2017)

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