Goldenes Brett für den "König von Deutschland"

    23. November 2017, 22:30
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    Schmähpreis für den "größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres" geht an einen Vertreter der "Reichsbürgerbewegung"

    Wien – In den vergangenen sechs Jahren – so lange nämlich gibt es diese "Auszeichnung" in Österreich schon – entstammten die Preisträger des Goldenen Bretts vorm Kopf hauptsächlich den inneren Zirkeln einer wachsenden Esoterikszene. Zwischen 2011 und 2016 waren es vor allem Unterstützer der Lichtdiät, vermeintlich heilkundige Scharlatane, Homöopathen und Aids-Leugner, die mit dem Satirepreis der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) für den "größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres" bedacht wurden.

    Einzige Ausnahme war der Sieger von 2014: Der deutsche R-'n'-B-Sänger Xavier Naidoo gilt als Sympathisant demokratiefeindlicher Ideen und war mehrfach durch verschwörungstheoretische Aussagen aufgefallen.

    "Königreich Deutschland"

    Obwohl mit dem Impfgegner Andrew Wakefield und dem Mediziner und Schutzengel-Vertrauten Johannes Huber auch zwei Vertreter der klassischen Esoterik nominiert waren, verlieh die Jury am Donnerstagabend in der Wiener Urania einem "König" und damit erneut einem im weitesten Sinn politischen Aktivisten das Goldene Brett: Peter Fitzek ist eine Führungsfigur der deutschen "Reichsbürgerbewegung", die unter veränderten Vorzeichen mittlerweile auch in Österreich immer mehr Anhänger findet. In der kruden Welt der in zahlreiche Kleinstgruppen zersplitterten "Reichsbürger", in der sich auch Naidoo zu Hause fühlt, existiert die Bundesrepublik Deutschland als legitimer souveräner Staat nicht. Dieser Logik zufolge fühlen sich die Anhänger dieser Ideologie auch nicht an die Gesetze gebunden.

    Der 52-jährige Fitzek aus Sachsen-Anhalt, der früher mit Esoterikprodukten handelte und ein Buch über die "Wege zur Entdeckung feinstofflicher Welten" schrieb, zeigt sich bei der Umsetzung seiner "reichsbürgerlichen" Theorien durchaus konsequent. So rief er am 16. September 2012 auf einem neun Hektar großen Grundstück am Stadtrand von Wittenberg vor mehreren hundert Unterstützern das "Königreich Deutschland" aus, zu dessen "Oberstem Souverän" er sich krönen ließ.

    Körperverletzung und Untreue

    Darüber hinaus gründete er eine "Königliche Reichsbank", in die seine Getreuen Geld einzahlten. Fitzek dachte sich sogar eine eigene Währung aus: das "Engelgeld". Ende 2009 wurde er zweimal mit selbstgemachten Autokennzeichen erwischt, was ihm eine Geldstrafe eintrug – die erste einer ganzen Reihe von Verurteilungen. 2010 hat Fitzek im Wittenberger Rathaus versucht, eine Mitarbeiterin "festzunehmen", und sie dabei am Arm verletzt, wofür er der vorsätzlichen Körperverletzung für schuldig befunden wurde. Am 15. März 2017 schließlich wurde Fitzek wegen Untreue und unerlaubter Bankgeschäfte zu einer Haftstrafe verurteilt.

    Laut der Skeptikervereinigung GWUP fiel die Wahl heuer auf Fitzek, weil sein Fall zeige, "wie eng scheinbar unterschiedliche Bereiche der Esoterik miteinander verwoben sind: Klassische Esoterik verschwimmt hier mit braun-germanischem Gedankengut von Ryke Geerd Hamer und obskuren politischen Verschwörungstheorien."

    Die Goldenes-Brett-Preisträgerin für das Lebenswerk kommt 2017 übrigens wiederum aus dem pseudowissenschaftlichen Kernbereich: Cornelia Bajic wurde stellvertretend für den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte ausgezeichnet. Für die Jury ist dieser Lobbyverein "maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass die Homöopathie im deutschen Sprachraum nach wie vor eine Verbreitung und ein Ansehen genießt". (Thomas Bergmayr, 23.11.2017)

    • Peter Fitzek ist eine Führungsperson der "Reichsbürgerbewegung". Außerdem ist er "König von Deutschland" und glaubt an feinstoffliche Welten.
      foto: apa/afp/dpa/hendrik schmidt

      Peter Fitzek ist eine Führungsperson der "Reichsbürgerbewegung". Außerdem ist er "König von Deutschland" und glaubt an feinstoffliche Welten.

    • Das Goldene Brett vorm Kopf zeichnet den "größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres" aus. Heuer wurde es zum siebenten Mal verliehen.
      foto: gwup

      Das Goldene Brett vorm Kopf zeichnet den "größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres" aus. Heuer wurde es zum siebenten Mal verliehen.

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