Wien Modern: Prämierter Klang der Gegenwart

    23. November 2017, 17:17
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    Das Musikfestival neigt sich langsam dem Ende zu, ein paar Höhepunkte gibt es aber noch

    Langsam, aber sicher biegt das Festival Wien Modern in seine finale Phase. Zu den Höhepunkten wird u.a. der Besuch von Meistergeiger Gidon Kremer zählen (28.11). Er wird Bachs Chaconne (Partita Nr. 2 d-moll BWV 1004 für Violine) spielen, aber auch Raumklangmusik von Luigi Nono.

    Ein alljährlicher Höhepunkt des Festivals ist auch das Erste Bank Preisträgerkonzert. Innerhalb der Neue-Musik-Szene ist das jedenfalls gesellschaftlich der Fall – dank der umsichtigen Auswahl der Ausgezeichneten kann sich in der Regel auch die künstlerische Qualität durchaus sehen lassen.

    Preisträger Hannes Kerschbaumer

    Meist wird ein Komponist geehrt, der schon eine Handschrift aufweist, doch künftig noch eine Entwicklung erwarten lässt, die durch die recht großzügige Form der Förderung unterstützt werden soll: Mehrere Aufführungen gehören ebenso dazu wie eine Dokumentation auf CD beim Label Kairos.

    Dieses Jahr heißt der Preisträger Hannes Kerschbaumer, Jahrgang 1981, geboren in Südtirol und wohnhaft in Innsbruck. Unter anderem war er Schüler von Beat Furrer, der beim Konzert des Klangforum Wien ebenso auf dem Programm stand wie Gérard Grisey (Quatre chants pour franchir le seuil). Kerschbaumers Schaffen lässt zwar eine gewisse Nähe zu Furrer erkennen – doch die Eigenständigkeit ist weit größer.

    Beherzte Entfesselung

    Furrers Kaleidoscopic Memories für Kontrabass und Tonband war dank Uli Fussenegger ein Ereignis: eine plastische, beherzt und spontan wirkende Entfesselung aus dem Innern des Klanges eines nur dem Vorurteil nach behäbigen Instruments.

    Kerschbaumer hat sein schurf I der Geigerin Sophie Schafleitner in die Hände und auch in die Stimme geschrieben. Dank der Interpretin und einer ausgefeilten Tontechnik verschmolzen beide Schichten zu einem ununterscheidbaren Ganzen und ermöglichte ein Erleben der raumgreifenden Klänge wie unter dem Mikroskop. Sein Ensemblestück schraffur (2017) für Ensemble und Vierteltonakkordeon (Krassimir Sterev), ist ein raunendes Liniengeflecht mit bestechenden Farbmischungen, das unter Dirigent Emilio Pomàrico wie aus einem Guss erschien.

    Es gibt bei Wien Modern ein weiteres Preisträgerkonzert: Zu hören prämierte Werke (1.12.) des mdw-Kompositionswettberbs Bilder im Kopf. (daen, 23.11.2017)

    28. 11., Gidon Kremer, Konzerthaus, 19:30
    1.12., mdw-Konzert, Radiokulturhaus, 19.00

    Wien Modern

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