Aus für Schweinemast auf früherem KZ-Gelände

23. November 2017, 16:48
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An der Stelle des "Zigeunerlagers" im südböhmischen Lety soll nach jahrelangem Tauziehen eine Gedenkstätte entstehen

Die Debatte über die Zukunft des ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslagers im südböhmischen Lety ist entschieden: Der tschechische Staat kauft das Gelände, auf dem derzeit eine Schweinemast betrieben wird, für umgerechnet 17,7 Millionen Euro und will dort eine Gedenkstätte errichten. Der Kaufvertrag wurde am Donnerstag abgeschlossen, für die Regierung unterschrieb ihn Kulturminister Daniel Herman.

Bereits 1940 hatten die nationalsozialistischen Besatzer in Lety ein Arbeitsstraflager errichtet. Ab 1942 befand sich dort ein Konzentrationslager, in dem vor allem Roma inhaftiert waren. Insgesamt mehr als 1.300 Menschen wurden dort gefangen gehalten. 327 davon starben im Lager an den katastrophalen hygienischen Bedingungen, an körperlicher Schwerstarbeit oder an Unterernährung. Ungefähr 500 weitere Häftlinge wurden von Lety in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

Alte Forderung

Dass sich auf dem Gelände des Lagers nun eine Schweinemastanstalt befindet, sorgte in der Vergangenheit immer wieder für heftige Debatten. Der Großbetrieb wurde in den 1970er-Jahren errichtet. In dreizehn Hallen werden dort etwa 13.000 Schweine gehalten. 1995 wurde in unmittelbarer Nähe im Beisein des damaligen Präsidenten Václav Havel zwar ein Denkmal für die Opfer enthüllt, Pläne für einen Ankauf durch den Staat waren jedoch bisher immer wieder gescheitert.

Bürgerinitiativen fordern seit langem die Schließung der Schweinemast, im Jahr 2013 rief auch der UN-Menschenrechtsausschuss dazu auf. Anfang Dezember muss nun noch die Aktionärsversammlung des Mastbetriebs grünes Licht geben. Dies gilt jedoch als Formsache, zumal die Aktionäre bereits im Sommer dem Verkauf mehrheitlich zugestimmt haben. Die Firma soll ihren Betrieb im Frühjahr einstellen, zur Gestaltung der künftigen Gedenkstätte wird ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. (Gerald Schubert, 23.11.2017)

  • Der Schweinemastbetrieb auf dem Gelände des ehemaligen "Roma-KZs" in Lety sorgt seit langem für Aufregung.
    foto: ap / petr david josek

    Der Schweinemastbetrieb auf dem Gelände des ehemaligen "Roma-KZs" in Lety sorgt seit langem für Aufregung.

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