Schön schauen: Geistergeschichten, Nicole Kidman und Frauen zum Fürchten

    Blog30. November 2017, 06:00
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    Es kommt was auf uns zu, und es ist noch nicht das Christkind: Serienstarts "Dark", "Lore", "Top of the Lake"

    Die neue Woche bringt Geistergeschichten, lange Zeit Verbotenes und einige Frauen, die so stark sind, dass es schon fast, aber Gott sei Dank gewollt zum Fürchten ist. Ein dichtes Angebot, deshalb komme ich auch gleich zur Sache, ihr Schätzchens, denn: Es kommt was auf uns zu!

    Zuvor noch der obligatorische SPOILER-ALARM: Wer nichts über Inhalte von "Dark", "Lore" und "Top of the Lake – China Girl" wissen will, sollte sich im Folgenden auf Fettgedrucktes beschränken. Alle anderen dürfen hereinspazieren:

    Freitag, 1. Dezember: "Dark", Netflix
    Nach Spanien, Frankreich und Italien startet mit "Dark" die vierte europäische Produktion des Streaminganbieters. "Dark" erzählt in zehn Folgen von Verbrechen aus lang vergangener Zeit, in die vier Familien verwickelt sind. Kollege sefe war bei der Präsentation in Berlin, kehrte durchaus positiv gestimmt zurück und wird noch ausführlich berichten. Dass die Macher Jantje Friese und Baran bo Odar eine künstlerische Nähe zu David Lynch nicht leugnen können, ist nach Ansicht des Trailers offensichtlich. Ich bin neugierig.

    kinocheck international

    Freitag, 1. Dezember: "Lore", Amazon
    Lichtscheue Wesen treiben sich auch in dieser Anthologieserie herum, konkret handelt es sich um Spukgeschichten, wie sie das Leben schrieb. Schließt sich das aus? Nicht im Fall von "Lore". Es gibt da ein paar Dinge zwischen Himmel und Erde, vor denen es Menschen seit eh und je graust, dazu gehört zum Beispiel die Vorstellung, lebendig begraben zu sein. Was heute eher unwahrscheinlich ist, war früher gefürchtete Möglichkeit und wurde mit teils fast zwanghaftem Eifer auszuschließen versucht. In einer Mischung aus Animation und Erzähldokumentation klappert die Serie vor diesem Hintergrund Allgemeinplätze des Horrorfachs ab, in Folge eins zum Beispiel Besessenheit und wie man Dämonen wieder loswird. "Lore" war zuerst ein Podcast, Aaron Mahnke hat diesen für Amazon weiterentwickelt. Es wird mit verschiedenen Stilmitteln gespielt, Sprechszenen werden Bilder unterlegt. Umso überraschender, dass das trotz allen Einsatzes gewisse Längen aufweist. Ich habe nur eine Folge geschafft ("They Made a Tonic"), wer mehr gesehen hat, ist sehr herzlich eingeladen, sich hier und jetzt mitzuteilen.

    amazon video

    Donnerstag, 7. Dezember: "Shut Eye 2", Hulu
    Wenn Blicke töten könnten, wäre Isabella Rossellini schon wegen Mordes verurteilt. In der zweiten Staffel von "Shut Eye" hat sie den Aufzug gewechselt und würde mit diesem auch gut in "Orange Is The New Black" passen, Bitch! Prie-View hat außer dem Trailer nix gesehen, Hulu ist außer Reichweite. Der amerikanische Streamer lässt bei der Rechtevergabe gängige Abrufplattformen gerne links liegen, siehe "The Handmaid's Tale", ist derzeit nur beim Telekom-Kanal Entertain TV abrufbar. In "Shut Eye" geht es um den Trickser Charlie Harverford, dem im Zuge seines Alltagsgeschäfts ein kleines Malheur widerfährt: Bei einer Schießerei wird eine Hirnregion verletzt, und fortan verfügt der gute Charlie über hellseherische Fähigkeiten.

    hulu

    Donnerstag, 7. Dezember: "Top of the Lake", Arte
    Vier Jahre sind vergangen, seit Robin Griffin (Elisabeth Moss) das verschwundene Mädchen Tui in den unendlichen Weiten Neuseelands suchte. Die Sache hat Spuren hinterlassen, Angstzustände und Schlafstörungen sind da noch die offensichtlichsten Folgen. Robin ist inzwischen nach Sydney gezogen und nimmt nach 17 Jahren Kontakt zu ihrer Tochter Mary auf, die sie zur Adoption freigegeben hat.

    Noch ahnt sie nicht, dass sich bei den Adoptiveltern gerade ein Familiendrama ereignet. Ein unerwünschte Beziehung zu dem viel älteren Alexander, genannt "Puss", sorgt für Unmut zwischen dem Vater und der, nun ja, etwas unentspannt wirkenden Stiefmutter Julia (Nicole Kidman), die als praktizierende Feministin einen gewissen Hang zur Übertreibung hat. Schließlich gibt das Meer einen Koffer mit der Leiche einer jungen Asiatin frei, Robin will den Fall. Wobei auch diese Sache einen Haken hat, und zwar einen ziemlich hoch hängenden: Eine zusätzliche Herausforderung wartet nämlich auf sie in Gestalt der neuen Kollegin Miranda (Gwendoline Christie), die zwei Kopf größer nebenan wohnt und unerträglich positive Signale aussendet.

    Kidmans Spiel ist ein Gedicht, noch mehr kann man sich aber über das Duo Moss/Christie freuen, die als weibliche Ausgabe von Pat und Patachon auf Gedeih und Verderb aneinandergekettet sind. Pflichtprogramm.

    bbc

    Was noch?

    Samstag, 2. Dezember: Heinrich Böll, 20.15, 3sat
    Ein Themenabend mit Porträt zum 100. Geburtstag Bölls, um 21 Uhr Romy Schneider in "Gruppenbild mit Dame" in der Regie von Aleksander Petrović aus dem Jahr 1977. Um 22.40 Uhr schließt eine Ausgabe von "Literatour" den Themenabend ab: Mit dem Schriftsteller unterwegs in Irland.

    Montag, 4. Dezember: Verbotene Filme auf Arte
    Der Kultursender setzt seinen Ufa-Schwerpunkt mit einem Themenabend fort, zeigt zuerst eine Dokumentation über das Erbe des NS-Kinos und diskutiert die letzten heute noch verbotenen beziehungsweise unter Vorbehalt gestellten Spielfilme aus dem Dritten Reich. Um 23.35 Uhr steht Veit Harlans "Kolberg" auf dem Programm. Heinrich George spielt die Hauptrolle in diesem Propagandafilm, der die Ideologie am Beispiel des preußischen Widerstands gegen Napoleon 1806 transportierte. Als "Vorbehaltsfilm" wird "Kolberg" mit einer Begleitdokumentation gezeigt.

    Montag, 4. Dezember: "Crispr – Revolution im Genlabor", 0.00, ARD
    Wie mit einer Schere wird bei Crispr das Erbgut präzise verändert, dadurch werden ganz neue Therapien möglich. Ein Kind wie Gavriel, der an der unheilbaren Duchenne-Muskeldystrophie leidet, hat dadurch neue Hoffnung. Nicht nur dem Menschen soll die Methode helfen, sondern sie soll auch Pflanzen widerstandsfähiger machen gegen Schädlinge oder Dürre. "Crispr wird die Medizin revolutionieren", sagen die einen. Andere warnen vor unabsehbaren Nebenwirkungen.

    Mittwoch, 6. Dezember: "Girls Don't Fly", BR
    Zusammen mit elf weiteren Mädchen besucht die 17-jährige Lydia Wetsi die erste und einzige Flugschule Ghanas für Mädchen – gegründet und geleitet von dem britischen Flugzeugingenieur und Entwicklungshelfer Jonathan Porter. Seine Mission: "Changing lives, one flight at a time."

    Donnerstag, 7. Dezember: "Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte", 23.45, SWR
    Was für ein schöner Titel, ich vermute, dass er sich auf persönliches Erlebnis der Dokumentaristin Corinna Belz bezieht und auf einen individuellen Zugang ihres Porträts schließen lässt.

    Ein wahrlich göttliches Dokument gab das Internet diese Woche wieder frei und ersetzt ausnahmsweise den Trailer der Woche. Es ist dieses der angeblich allererste Fernsehauftritt David Bowies, damals noch David Jones. Was sofort ins Auge sticht, ist sein engelsgleiches Haar. Als Obmann der "The Society Of The Prevention of Cruelty To Long-Haired Men" hatte er schon als 17-jähriger einen echten Auftrag, und, nein mit den Rolling Stones hat das alles nichts zu tun.

    bowie forever

    Und ich muss immer noch weinen, wenn ich zu viel an ihn denke. In diesem Sinne, bleibt tapfer und schaut mit Freude! (Doris Priesching, 30.11.2017)

    Hinweis
    Im Blog Prie-View greift STANDARD-Medienredakteurin Doris Priesching kommende Höhepunkte im linearen und digitalen Fernsehen mit dem Fokus auf Premieren und Erstausstrahlungen auf. Die Auswahl ist subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

    • "Top of the Lake – China Girl": Mary (Alice Englert, 3.v.l.) verbringt ihre Freizeit gern mit ihrem Verlobten Puss (David Dencik) und den Prostituierten des Bordells Silk 41 .

      "Top of the Lake – China Girl": Mary (Alice Englert, 3.v.l.) verbringt ihre Freizeit gern mit ihrem Verlobten Puss (David Dencik) und den Prostituierten des Bordells Silk 41 .

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