Abgabenquote in Österreich 2016 stark gesunken

23. November 2017, 13:11
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Starker Rückgang auf 42,7 Prozent wegen Steuerreform und hohen Wirtschaftswachstums

Wien – Die Steuerreform und das starke Wirtschaftswachstum haben die österreichische Abgabenquote im Vorjahr stark sinken lassen. Der Rückgang war der stärkste unter den 35 OECD-Staaten, zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Übersicht der Industriestaatenorganisation. Im internationalen Vergleich liegt Österreich mit einer Steuer- und Abgabenquote von 42,7 Prozent allerdings immer noch im Spitzenfeld auf Rang sieben.

Weitere Rückgang erwartet

Die türkis-blauen Koalitionsverhandler haben angekündigt, die Steuer- und Abgabenquote in Richtung 40 Prozent senken zu wollen. Dieser Wert wurde zuletzt vor 26 Jahren knapp unterschritten: Für 1991 weist die Statistik eine Abgabenquote von 39,8 Prozent aus. Das bisherige Rekordjahr war 2001 mit 44 Prozent. Wobei das Finanzministerium zuletzt damit rechnete, dass die Abgabenquote nach dem Rückgang 2016 und 2017 auch ohne weitere Eingriffe sinken wird – auf 41,6 Prozent im kommenden Jahr.

Damit trotzt Österreich dem generellen Trend, denn die OECD weist in ihren "Revenue Statistics 2017" für 20 ihrer 35 Mitglieder einen Anstieg der Abgabenquote aus. Im Durchschnitt liegen die Steuerquote bei 34,3 Prozent des BIP – ein neuer Rekord. Der Einbruch durch die Wirtschaftskrise 2008 wurde damit wieder wettgemacht. Einzig die Steuern auf Unternehmensgewinne bleiben international unter Vorkrisenniveau.

Unternehmenssteuern in Österreich sehr gering

Auch in Österreich liegen die Unternehmenssteuern unter dem Durchschnitt: Während die OECD-Länder neun Prozent ihrer Einnahmen aus Steuern auf Unternehmensgewinne ziehen, waren es in Österreich zuletzt nur fünf Prozent (Stand 2015). Vermögenssteuern bringen in Österreich überhaupt nur ein Prozent der Einnahmen, im OECD-Schnitt sind es sechs Prozent. Überdurchschnittlich hoch sind dagegen die Sozialbeiträge, die hierzulande ein Drittel (34 Prozent) der Staatseinnahmen ausmachen, während es im OECD-Schnitt nur ein Viertel ist (26 Prozent).

Höher als in Österreich sind die Steuern und Sozialabgaben in Dänemark, Frankreich, Belgien, Finnland, Schweden und Italien. Deutschland liegt mit 37,6 Prozent auf Rang zwölf, die Schweiz mit 27,8 Prozent auf Rang 29. Allerdings fehlen bei der Schweiz verpflichtende Sozialabgaben an Privatversicherungen im Wert von 53 Milliarden Franken (45 Milliarden Euro), die zwar bezahlt werden müssen, von der OECD aber nicht als Teil der Abgabenquote gewertet werden.

Die durchschnittliche Steuerleistung pro Einwohner lag in Österreich 2015 (also im Jahr vor der Steuerreform) bei 21.579 Dollar. Höher war sie nur in Dänemark, Norwegen und Luxemburg. Ein Ausreißer nach unten ist Österreich dagegen bei der Steuerautonomie von Ländern und Gemeinden, wie der Bericht zeigt: Während Länder und Gemeinden in Österreich nur 4,5 Prozent der gesamten Steuern und Abgaben einheben, ist es in anderen föderal organisierten Staaten durchschnittlich ein Viertel, in Deutschland sogar fast ein Drittel. (APA, 23.11.2017)

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