Gerhard Zeiler als neuer ProSiebenSat1-Boss gehandelt

    23. November 2017, 10:23
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    Vertrag des Österreichers bei Turner Broadcasting läuft noch bis Ende 2018

    München/Salzburg – Es wäre überraschend, wäre sein Name nicht aufgetaucht für die Nachfolge von ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling: Gerhard Zeiler (62), beinahe SPÖ-Chef und Bundeskanzler, Ex-General des ORF, vor allem aber langjähriger Boss des Hauptkonkurrenten RTL Group und heute Chef von Turner Broadcasting International. Zeiler antwortete bisher nicht auf STANDARD-Anfrage, ob ihn der Job in München interessieren könnte.

    Funke-Medienautor Kai-Hinrich Renner nannte etwa Gerhard Zeiler in der "Berliner Morgenpost" als potenziellen Kandidaten für ProSiebenSat1. Ebeling verlässt ProSiebenSat1 wie berichtet vorzeitig mit Ende Februar 2018.

    Vertrag bis Ende 2018

    Selbst eine Antwort Zeilers auf die STANDARD-Anfrage würde wohl wenig aufklären. Klar ist: Sein aktueller Turner-Vertrag läuft noch bis Ende 2018, das ließ er zuletzt auch im "Trend"-Interview fallen. Nun kann man Verträge auch vorzeitig auflösen – wie Zeiler einst 1998 den Job des ORF-Generals ein paar Monate früher aufgab, um zunächst RTL Deutschland zu führen und später auch den Gesamtkonzern RTL Group. Die macht noch heute gute Ergebnisse, während Mitbewerber ProSiebenSat1 in den vergangenen Monaten mehrere Gewinnwarnungen machen musste. Der Börsekurs des Münchner Konzerns sank dramatisch – jedenfalls bis zur Ankündigung, dass Boss Thomas Ebeling geht.

    Erwartung unklar

    Eine Antwort Zeilers würde wohl auch knapp ausfallen müssen, weil noch unklar ist, was der Aufsichtsrat von einem künftigen ProSieben-Chef erwartet. Ebeling investierte stark ins Digitalgeschäft, etwa einen Handel mit Sexartikeln. Er hat sein Kerngeschäft – Fernsehprogramm – über die vergangenen Jahre vernachlässigt, eigene Programme und Programmentwicklungen blieben aus oder mit überschaubarem Erfolg. Der Verlust von Stefan Raab vertiefte die Tendenz.

    Fernseh-Kapazunder

    Zeiler ist nicht allein Medienmanager von internationaler Größe, er liebt und kann Fernsehprogramm wie wenige. Fraglich aber, ob Zeiler nun seinem langjährigen Konzern RTL Konkurrenz machen will. Gegenüber dem ORF vermied er das auch als großer privater Mitbewerber bei RTL.

    Großbaustelle

    Für ProSiebenSat1 würde sprechen: München liegt Zeilers privaten Lebensmittelpunkt Salzburg deutlich näher als London – wenn das dem jahrzehntelangen Vielflieger Zeiler etwas bedeuten sollte. Und: Zeiler hat noch kaum eine Großbaustelle ausgelassen – jedenfalls, wenn sie ihm spannend genug erschien. ProSiebenSat1 wäre eine solche Großbaustelle.

    Über eine berufliche Rückkehr Zeilers nach Österreich wird regelmäßig spekuliert – in die Politik, 2016 brachte er sich ja als SPÖ-Chef und möglicher Kanzler ins Spiel, überließ aber Christian Kern den Vortritt. Den Wiener Bürgermeister schloss Zeiler zuletzt im "Trend" aus. Über eine Rückkehr zum ORF spekulieren Zeiler-Fans auf dem Küniglberg ebenso regelmäßig. (fid, 23.11.2017)

    • Gerhard Zeiler, Chef von Turner Broadcasting International, Vertrag bis Ende 2018.
      foto: apa/georg hochmuth

      Gerhard Zeiler, Chef von Turner Broadcasting International, Vertrag bis Ende 2018.

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