"Anna Fucking Molnar": Lustig ist, wenn es die anderen trifft

    Video22. November 2017, 17:36
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    Sabine Derflingers Komödie mit Nina Proll leuchtet ein paar Arbeitsfelder einer sexistischen Unterhaltungsbranche mit Brachialhumor aus

    Wien – Das nennt man dann wohl Totalzusammenbruch. Anna Molnar (Nina Proll), Star des Josefstadt-Theaters, ertappt ihren Regisseur und Geliebten knapp vor der Premiere beim Seitensprung. Ihr Part im Reigen gerät daraufhin einen Schwung zu wirklichkeitsecht. Komatös betrunken muss die Schauspielerin von der Bühne getragen werden. Vorhang zu.

    foto: ioan gavriel
    Der Feuerwehrmann als Sexobjekt: Murathan Muslu in "Anna Fucking Molnar".

    Sabine Derflingers Komödie "Anna Fucking Molnar", für die Nina Proll auch die Grundidee hatte, beginnt ganz unten und richtet sich dort dann dauerhaft ein. Mit Brachialhumor werden ein paar Arbeitsfelder einer sexistischen Unterhaltungsbranche ausgeleuchtet. Molnar ist darin zwar das Opfer, der Film will aber von ihrer Widerstandskraft erzählen. Goschert und nicht klein zu kriegen wurstelt sie auf niedrigem Niveau weiter. Sie zieht beim sexsüchtigen Vater (Uwe Ochsenknecht) ein und sucht bei einem Feuerwehrmann (Murathan Muslu) Bestätigung.

    foto: luna
    Nina Proll als Anna Molnar.

    Statt auf Solidarität setzt der Film auf individuelle Entfaltung: Eine Frau ist stark, wenn sie zu ihren sexuellen Wünschen steht und sich auch durch würdelose Verhältnisse nicht beeinträchtigt fühlt. Gute Komödien unterwandern Machtverhältnisse, bis sie völlig windschief wirken. Das Missverständnis dieses Films liegt in dem Glauben, die geschlechterpolitische Zuspitzung eines chauvinistischen Modells wäre schon subversiv. Molnar will sich nicht an Peinigern rächen, der Film überträgt ihr einfach ein Herrschaftsmodell. Als weiblicher Lead muss sie wie ihr männliches Pendant bloß auf den moralisch wertvollen Weg geschickt werden.

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    Anna Fucking Molnar beschreibt – handwerklich schleißig seinen derben Schmäh ausstellend – dieses Geschlechterchaos wie einen hinzunehmenden Naturzustand. Die Komik schöpft man aus ein paar wilden Einzelauftritten und dem übertriebenen Gebrauch von Stereotypen. Der Feuerwehrmann, mit dem Anna unbedingt schlafen will, kriegt ihn einfach nicht hoch. Lustig ist, wenn es endlich einmal die anderen trifft. (kam, 22.11.2017)

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