Fink: "San Siro ist ja keine Schlachtbank"

22. November 2017, 16:42
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Austrias Trainer möchte den Ausflug nach Mailand trotz temporärer Krise genießen

Mailand/Wien – Thorsten Fink hat beschlossen, sich auf die Europa-League-Partie gegen den AC Milan im legendären San Siro "sehr zu freuen". Seit Sommer 2015 trainiert der 50-Jährige die Austria, aktuell hat man eine Krise, die Talfahrt in der Meisterschaft ist ungebremst – Platz sechs und 15 Zähler Rückstand auf Red Bull Salzburg, Tendenz zunehmend. Der Deutsche bleibt trotzdem ruhig, auch im Verein bricht keine Panik aus, Selbstzerfleischung ist nicht angesagt. "Das Positive ist, dass diese Krise leicht erklärbar ist. Das Personal geht einfach aus, es ist ein temporäres Problem."

Beim 2:3 gegen die Admira betrug der Altersschnitt 22 Jahre und ein paar Monate, das ist ein fußballerischer Kindergarten und für den Betreuer pädagogischer Stress. Jungspunde, zum Beispiel der 21-jährige Innenverteidiger Abdul Kadiri, müssen permanent Verantwortung übernehmen, obwohl sie pausieren sollten. Fink versucht, ihnen beizustehen, den Druck zu nehmen, sie seelisch zu streicheln, ihnen Mut zuzusprechen. "Sie dürfen Fehler machen. Aber ich weiß, dass sie routinierte Mitspieler benötigen, um sich hin und wieder auch anlehnen zu können. Es geht leider nicht. Wir haben keine 30-Jährigen mit breiten Schultern." Langfristig betrachtet sei die gewiss heikle Situation sogar positiv. "Sie sind die Zukunft der Austria, können sich nun fußballerisch entwickeln. Erfolg ist auch, junge Menschen an die Spitze zu führen. Die Rückschläge muss man akzeptieren."

"Genießen"

In Wien siegte der AC Milan nicht wirklich knapp mit 5:1, Fink ist das vor dem Rückspiel völlig wurscht. "Es spricht nichts dagegen, das Match zu genießen. Das San Siro ist ja keine Schlachtbank. Wir haben es uns verdient, dort antreten zu dürfen. Die größten Momente sind geboren, wenn sie davor erarbeitet wurden." Wesentlicher sei natürlich der Alltag, das Ligaspiel am Sonntag beim Wolfsberger AC. "Der Erlebnischarakter ist freilich geringer."

Die Austria wird von rund 2000 Fans nach Mailand begleitet, das ist untypisch. Daheim im Happel-Stadion sieht man vor lauter leeren Sitzen die Zuschauer nicht. Fink ist sich dieser Tristesse, die nicht gerade leistungsfördernd wirkt, bewusst. "Aber warum soll ich mich mit Dingen beschäftigen, die ich nicht ändern kann? Im neuen Stadion wird es besser." Möglicherweise wird die Austria im Winter auf dem Transfermarkt aktiv, die Abgänge von Larry Kayode, Jens Stryger Larsen und Petar Filipovic konnten nicht kompensiert werden. "Ziel bleibt, sich wieder für die Europa League zu qualifizieren." Fink bewahrt seine Authentizität. "Ich bin in der Niederlage und im Sieg der gleiche Mensch, der gleiche Trainer." Die Mannschaft sei trotz Krise in der Lage, zu verblüffen. "Das 4:1 in Rijeka war kein Irrtum."

Fink war einer von drei Teamchefkandidaten, das Rennen hat Franco Foda gemacht. Während Andreas Herzog seinen Unmut über die Nichtbestellung öffentlich kundgetan hat, ist Fink ruhig und gelassen geblieben. "Es tut nicht weh, beide Seiten müssen überzeugt sein, das war vom ÖFB her nicht der Fall. Warum, weiß ich nicht. Ich bin stolz darauf, in die engere Auswahl gekommen zu sein. Also habe ich nicht viel falsch gemacht." (Christian Hackl, 22.11. 2017)

Europa League, Gruppe D, 5. Spieltag, Donnerstag

AC Milan – Austria Wien
Giuseppe-Meazza-Stadion, 21.05 Uhr (live Puls 4 und Sky), SR Andris Treimanis (LAT)

Mögliche Aufstellungen:

Milan: G. Donnarumma – Zapata, Bonucci, Rodriguez – Borini, Kessie, Biglia, Bonaventura – Calhanoglu – A. Silva, Cutrone

Ersatz: Storari – Gomez, Antonelli, Montolivo, Locatelli, Mauri, Kalinic

Es fehlen: Suso (Gesäßmuskelverletzung, Abate (Achillessehne), Romagnoli (krank), Conti, Calabria (beide rekonvaleszent)

Austria: Pentz – Gluhakovic, Serbest, Borkovic, Salamon – Alhassan, Holzhauser – De Paula, Lee, Pires – Monschein

Ersatz: Hadzikic – Kadiri, Blauensteiner, Tajouri, Prokop, Sarkaria, Friesenbichler

Es fehlen: Westermann (nach Knie-OP), Martschinko (Kreuzbandriss), Klein (Mittelfußknochenbruch), Ruan (Sehnenriss im Oberschenkel), Almer, Grünwald (beide rekonvaleszent), Venuto (im Mannschaftstraining)

Parallelspiel: AEK Athen – HNK Rijeka

  • Klösterlicher Friede dürfte am Donnerstag im San Siro auch nicht herrschen.
    foto: reuters

    Klösterlicher Friede dürfte am Donnerstag im San Siro auch nicht herrschen.

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