Einbrecher: "Hat das Haus eine Alarmanlage, gehe ich weiter"

22. November 2017, 15:33
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Eine Analyse zeigt, wie Täter Objekte auswählen. Alarmanlagen schrecken ab, Attrappen werden aber erkannt

Wien – Die Wintermonate sind auch die Zeit, in der Dämmerungseinbrüche zunehmen. Die Zahl der Einbrüche ist in den Wintermonaten auch deutlich höher als in den Sommermonaten. Denn das frühe Einsetzen der Dunkelheit, während viele noch in der Arbeit sind, zieht Einbrecher an.

Doch wie legen es die Täter genau an? Dieser Frage sind der österreichische Versicherungsverband VVO, das Bundeskriminalamt und das Kuratorium für Verkehrssicherheit in einer Studie nachgegangen. Neben Zahlen und Fakten wurden dafür auch 50 verurteilte Täter zu Interviews gebeten und 150 Polizeiakten untersucht, um den Einbruch aus der Täterperspektive zu beschreiben. Die Ergebnisse:

  • Die gute Nachricht vorweg: Die Zahl der Anzeigen bei Wohnraumeinbrüchen ist 2016 gegenüber dem Vorjahr um rund 16 Prozent auf 12.975 zurückgegangen. Im Schnitt verübten Einbrecher in Österreich 35 Einbrüche pro Tag.
  • Während die Zahl der Einbrüche sinkt, steigt der Anteil an Einbruchsversuchen allerdings deutlich: Im Jahr 2000 lag er noch bei 23 Prozent, im Vorjahr wurden rund 40 Prozent der Einbrüche abgebrochen. "Dieser Vergleich zeigt deutlich, dass Aufklärung und Bewusstseinssteigerung für Präventionsmaßnahmen wirken und dabei helfen, die eigenen vier Wände sicherer zu machen", sagt Hartwig Löger, Vorstandsvorsitzender der Uniqa und Vizepräsident des VVO.

Weg des geringsten Widerstands

  • Einbrecher wählen in der Regel – wenig überraschend – den Weg des geringsten Widerstands. Der überwiegende Teil der Einbrecher sucht die Objekte per Zufall aus und verfolgt das Ziel, unter möglichst geringem Aufwand möglichst rasch Beute zu machen.
  • Es wird mit einfachem Werkzeug (am häufigsten werden Schraubenzieher eingesetzt) gearbeitet – oder überhaupt erst direkt am Tatort nach offen herumliegenden Gegenständen wie etwa einer Leiter gesucht. Die bevorzugte Vorgehensweise, um in ein Wohnobjekt zu gelangen, ist das Aufbrechen einer Tür oder eines Fensters. Zumeist sind die Täter dabei nicht auf sich allein gestellt, sondern agieren in kleineren Gruppen von zwei bis vier Personen.
  • Das Aufbrechen von Türen oder Fenstern ist aber gar nicht immer notwendig. Denn einige Täter berichten, dass sie immer wieder auf Objekte stoßen, bei denen Türen oder Fenster nicht verschlossen oder abgesperrt sind. Ist die Tür nicht verschlossen, ist das für das Opfer ein doppelter Schaden. Denn in dem Fall "sind die Versicherungsträger von der Leistung befreit", sagt Löger.
  • Sicherheitstüren und Alarmanlagen helfen. So berichteten einige Täter: "Sicherheitstüren gehen schon schwer auf, dafür benötigt man richtig gutes Werkzeug." Oder: "Wenn das Haus eine Alarmanlage hat, gehe ich weiter." Aber: Attrappen erkennen die meisten. Damit ist es also noch nicht getan.
  • Die durchschnittlichen Schäden von Einbrüchen belaufen sich auf rund 2.000 Euro. Vor allem gut zugängliche Gegenstände, die leicht kompatibel, transportierbar und zu verstecken sind – etwa Bargeld, kleine Wertgegenstände und Handys – werden gestohlen. (bpf, 22.11.2017)
  • Für einen Einbruch braucht es oft nur einen Schraubenzieher. Besonders gefährlich sind nicht abgesperrte Türen, dann ist nämlich auch die Versicherung von ihrer Haftung befreit.
    foto: getty images/istockphoto

    Für einen Einbruch braucht es oft nur einen Schraubenzieher. Besonders gefährlich sind nicht abgesperrte Türen, dann ist nämlich auch die Versicherung von ihrer Haftung befreit.

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