Mordprozess: Mann soll hochschwangere Freundin im Schlaf getötet haben

22. November 2017, 17:38
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28-Jähriger soll Frau im Schlaf erwürgt und anschließend angezündet haben – Angeklagter plädierte auf nicht schuldig

Feldkirch – Der Tod der 28-jährigen Stefanie N. löste im November 2015 Entsetzen aus. Die junge Frau, ihr erstes Kind sollte in wenigen Wochen zur Welt kommen, wurde im Schlaf von ihrem Mörder überrascht. Er erwürgte sie, zündete den Leichnam an. Der Verdacht fiel auf den Kindsvater, einen in Liechtenstein lebenden Mann. Der Arbeiter, er war 2006 aus der Dominikanischen Republik eingewandert, wurde wenige Stunden nach dem Tod der jungen Frau in Vaduz verhaftet. Er schwieg ein Jahr lang. Dann brachte er einen möglichen anderen Täter, einen bei ihm wohnenden illegalen Migranten, ins Spiel.

Am Mittwoch musste sich der 28-Jährige vor dem Geschworenengericht Feldkirch verantworten. Mord, Brandstiftung, gewaltsamen Schwangerschaftsabbruch sowie Störung der Totenruhe, das wirft ihm Staatsanwalt Philipp Höfle vor. Dem Mann droht lebenslang.

Vorsitzender Martin Mitteregger weiß um die Emotionen im Saal, Familienmitglieder des Opfers, des Täters sind anwesend. Er spricht der Familie der Ermordeten sein Mitgefühl aus, mahnt die Geschworenen zur Objektivität. An der zweifelt das Verteidigerduo Martin Mennel und Thomas Raneburger. Über den Fall sei intensiv berichtet worden, Vorverurteilungen seien passiert. Richter Mitteregger lässt jeden Geschworenen, jede Geschworene einzeln erklären, dass er/sie sich noch kein Urteil gebildet habe.

Nach der über Stunden dauernden Befragung des Angeklagten, der sich für nicht schuldig erklärte, wirft ihm Richter Mitteregger ein Hölzchen: "Wenn Ihre Angaben nicht stimmen, jetzt haben Sie noch die Möglichkeit, Ihre Aussage zu ändern. Sie sind es Ihrem Kind schuldig."

Der Angeklagte bleibt bei seinen Angaben. Er habe die Frau, zu der er über Jahre eine lockere, rein sexuelle Beziehung, gehabt habe, nicht ermordet. Das vom Staatsanwalt vermutete Motiv, Vaterschaft und Unterhaltspflicht hätten ihn belastet, treffe nicht zu. Er hätte damit kein Problem gehabt. Verteidiger Mennel: "Die Alimente als Motiv? Da müssten viele ihre schwangere Freundin umbringen."

Die Sachverständigen schildern akribisch Tathergang und Ergebnisse der DNA-Analysen. Schlagende Beweise für die Schuld des Angeklagten fehlen. Am 4. Dezember wird das Verfahren fortgesetzt. (jub, 22.11.2017)

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