Mehr Betretungsverbote wegen häuslicher Gewalt in Niederösterreich

    22. November 2017, 12:53
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    Im Vorjahr wurden 1.402 Verbote verhängt, die Polizei sprach 142 erweiterte Schutzbereiche aus

    St. Pölten – Durch die #MeToo-Debatte sind vor allem Übergriffe am Arbeitsplatz in die öffentliche Wahrnehmung gerückt. Erlebte Gewalt im häuslichen Umfeld gilt aber nach wie vor oft als Tabuthema. Es brauche eine "klare Positionierung gegen Gewalt" und eine öffentliche Enttabuisierung des Themas, sagte Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) in einer Pressekonferenz vor einer Fachtagung am Mittwoch in St. Pölten.

    2016 hat die Polizei in Niederösterreich 1.402 Betretungsverbote verhängt und 142 erweiterte Schutzbereiche für gefährdete Minderjährige bei Schulen, Kindergärten und Horten ausgesprochen. Das ist jeweils ein Anstieg zum Jahr davor: 2015 waren es 1.348 Betretungsverbote und 118 erweiterte Schutzbereiche für Kindereinrichtungen. Österreich nehme mit seinen Gewaltschutzmaßnahmen weltweit eine Vorreiterrolle ein, verwies Martina Stöffelbauer vom Büro für Kriminalprävention und Opferhilfe im Bundeskriminalamt etwa auf das 1997 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz.

    93 Prozent der Gefährder waren Männer

    Das Gewaltschutzzentrum Niederösterreich unterstützte im Vorjahr 2.406 Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking, davon waren 80 Prozent weiblich. 93 Prozent der gefährdenden Personen waren Männer. "Ungleiche Machtverhältnisse sind der Nährboden für Gewalt", sagte Elisabeth Cinatl, Sprecherin der Frauenberatungsstellen Niederösterreich. Im Zusammenhang mit Gewalt gegen Klientinnen wurden – soweit bekannt – 814 Anzeigen wegen Körperverletzung und 531 wegen gefährlicher Drohung bzw. Nötigung erstattet.

    Jede fünfte Frau sei mindestens einmal in ihrem Leben von körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt betroffen, so Schwarz. Die Strategien der Täter seien Erniedrigen und Abwerten, Isolieren des Opfers von Familie und Freunden sowie Drohungen. Wichtig sei auch, dass das Opfer nicht sich selbst die Schuld gibt. "Die Verantwortung für Gewalt liegt bei der Person, die sie ausübt", betonte Cinatl.

    "Früher eingreifen"

    "Körperliche Gewalt ist oft das Ende einer langen Kette. Wir müssen lernen, früher einzugreifen", so Schwarz vor der Tagung "Häusliche und sexualisierte Gewalt – Opferschutz und Gewaltprävention" der Frauenberatungsstellen Niederösterreich in Kooperation mit dem Land Niederösterreich. Gesundheitseinrichtungen seien oft die erste Anlaufstelle für Opfer. Seit 2000 wurden rund 6.000 Mitarbeiter des niederösterreichischen Gesundheitswesens informiert und geschult.

    Zwar sei Österreich eines der sichersten Länder der Welt, das subjektive Empfinden klaffe aber oft auseinander, sagte Stöffelbauer. Im Rahmen des bundesweiten Polizei-Projekts "Sicherheit im öffentlichen Raum" sollen Frauen informiert werden, wie sie potenzielle Gefahrensituationen meiden können. Zudem gehe es darum, bauliche Maßnahmen für mehr Sicherheit zu setzen. (APA, 22.11.2017)

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