Jährlich 2.400 Tote durch vermeidbare Spitalsinfektionen

    22. November 2017, 09:53
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    Personalmangel und hoher Verwaltungsaufwand befeuern im medizinischen Alltag Infektionen, sagen Experten. Regelmäßige Händedesinfektion ist ein erster wichtiger Schritt

    In Europa erkranken jährlich 4,1 Millionen Menschen an einer nosokomialen Infektion, also einer Infektion, die im Rahmen eines Spitalsaufenthalts auftritt. In Österreich sterben jedes Jahr hochgerechnet 2.400 Menschen in Folge solcher Infektionen, weiß Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit.

    Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) geht davon aus, dass immerhin 20 bis 30 Prozent aller nosokomialen Infektionen durch entsprechend intensive Hygiene- und Kontroll-Programme vermeidbar wären.

    "Um das Bewusstsein nicht nur zu schaffen, sondern stets wach zu halten, haben wir im Alltag eine Reihe von Maßnahmen installiert. Jedes neue Team-Mitglied bekommt eine spezielle Schulung", erklärt Ettl, Ärztliche Direktorin am Krankenhaus Hietzing in Wien. Für Mitarbeiter, die schon länger tätig sind und bei denen sich bestimmte Gewohnheiten schon verfestigt haben, gebe es eigene Angebote. "Im Anlassfall ist eine Nachschulung verpflichtend – und das gilt für alle, egal ob es eine Reinigungskraft oder den Primar einer Abteilung betrifft", erklärt Ettl. Außerdem kontrolliert stichprobenartig ein eigenes Hygiene-Team, das auch allfällige Mängel analysiert. Das können auch zu geringe Bettenabstände sein.

    Auf einem guten Weg

    "Zum Glück haben sich viele Maßnahmen zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen in Österreich bereits gut etabliert", konstatiert Alexander Blacky, Wiener Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie. "Im internationalen Vergleich liegen wir, abhängig vom gemessenen Indikator, im Durchschnitt oder im oberen Drittel. Wir sind auf einem guten Weg – aber noch lange nicht am Ziel."

    Besonders betonen müsse man die hohe Bedeutung der Händedesinfektion. Hier beginne sich das Bewusstsein in die richtige Richtung zu entwickeln, aber es gibt sicherlich noch Potenziale für Optimierung, meinte Blacky. Eines davon wäre die Entlastung von Pflegekräfte und Ärzten von allen Tätigkeiten, die nicht unmittelbar mit Medizin und Pflege zu tun haben. "Derzeit verbringen diese Berufsgruppen mit Verwaltungsaufgaben viel zu viel Zeit, die letztlich am Krankenbett fehlt, was zu vermeidbaren Fehlern führt, bedauerte Blacky.

    Vermeidbare Infektionen

    Personalvertreter Josef Zellhofer nennt auch die Sparpolitik im Gesundheitssektor und die daraus resultierende hohe Arbeitsdichte. Und auch Händehygiene als einfachste, günstigste und effektivste Maßnahme zur Vermeidung von Infektionen kostet viel Zeit. "Je 30 Sekunden vor und nach jedem Patientenkontakt summieren sich auf rund zwei Stunden pro Person und Schicht. Das ist mit der derzeitigen Personalsituation nicht immer und überall machbar", erläutert Krankenpfleger Zellhofer.

    Nosokomiale Infektionen seien von Patienten bisher als eine Art unvermeidliche Begleiterscheinung eines Spitalsaufenthalts angesehen worden, meint Monika Ploier, auf Medizinrecht spezialisierte Anwältin. In absehbarer Zeit werde allerdings das Thema Schadenersatz vermehrt die Gerichte beschäftigen, da inzwischen etliche Studien zeigen, dass derartige Infektionen häufig vermeidbar wären. Sofern ein Patient aufgrund einer solchen Infektion Schaden erleidet, kann er mit einer Klage Schadenersatz – vor allem in Form von Schmerzensgeld – verlangen, so Ploier. Die Klage kann sich dabei sowohl gegen das Krankenhaus als auch gegen einzelne Ärzte oder Pflegekräfte richten. (APA, 22.11.2017)

    • Medizinisches Personal ist bis zu zwei Stunden pro Schicht mit Händewaschen beschäftigt.
      foto: apa/dpa/stephanie pilick

      Medizinisches Personal ist bis zu zwei Stunden pro Schicht mit Händewaschen beschäftigt.

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