Eurofighter: Schuss ins Knie

Kommentar21. November 2017, 17:25
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Eine Stilllegung der Abfangjägerflotte kommt für Kurz, Sobotka und Co offenbar aus Prestigegründen nicht infrage

Dem Vernehmen nach will die künftige Kanzlerpartei ÖVP das Bundesheer weder mit mehr Budget ausstatten noch eine Entscheidung über die Eurofighter fällen. Stattdessen ist wieder einmal Evaluierung angesagt – womöglich werden die umstrittenen Abfangjäger sogar aus den Koalitionsverhandlungen herausgehalten.

Mit Verlaub, aber so lässt sich kein neues Militärpaket zusammenbasteln – noch dazu, wo als allgemein bekannt gilt, dass die Eurofighter wegen ihrer hohen Betriebskosten einen großen Teil des Verteidigungsetats verschlingen. Genauso gut könnte ja ein Militärpilot versuchen, blind ein Flugzeug im heimischen Luftraum abzufangen.

Die türkise Herumdruckserei hat wohl andere Gründe: Einst legte sich die Partei unter ihrem Säulenheiligen Wolfgang Schüssel auf den milliardenschweren Kampfjet fest. Seitdem hat eine Reihe von ÖVP-Obleuten und ÖVP-Finanzministern dazu beigetragen, das Verteidigungsbudget auf jenes von Zwergenstaaten wie Malta oder Luxemburg zusammenzuschrumpfen.

Doch eine Stilllegung der Abfangjägerflotte, wie vom scheidenden (roten!) Verteidigungsminister geplant, kommt für Kurz, Sobotka und Co offenbar aus Prestigegründen nicht infrage. Damit verkommt ihr ostentativer Kassasturz vor den Verhandlungen nachträglich noch mehr zur Farce. Und die türkise Selbststilisierung als Sicherheitspartei gleicht immer mehr einem Schuss ins eigene Knie. (Nina Weißensteiner, 21.11.2017)

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