EU-Agenturen: Glücksfee am falschen Ort

Kommentar21. November 2017, 16:04
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Intransparente EU-Entscheidungen gibt es bereits genug

And the winners are: Amsterdam und Paris. Doch im Unterschied zum Oscar wurde über die Standorte der EU-Agenturen Montagabend letztlich per Los entschieden, weil bei der Abstimmung Gleichstand mit Kontrahenten herrschte. Paris matchte sich mit Dublin als Standort für die Europäische Bankenaufsicht (EBA), Amsterdam mit Paris um die Arzneimittelagentur (EMA). Nicht nur die Tatsache, dass die Entscheidung der Glücksfee überlassen wurde, lässt Zweifel am Auswahlmodus aufkommen. Auch die grundsätzliche Methode, die Staaten abstimmen zu lassen, darf hinterfragt werden. Das führt nämlich zu allerlei Rivalitäten und unheiligen Allianzen.

Besonders bitter ging das Hauen und Stechen für Mailand aus. In zwei Runden noch "Bestbieter" für die EMA, ging die Metropole leer aus, weil sich nach dem Ausscheiden von Kopenhagen mehrere Staaten auf die Seite der Niederlande schlugen. Wer weiß, was da noch alles in die Entscheidung hineinspielte. Hat Frankreich auf Posten verzichtet, um die EBA zu bekommen? Finanzminister Bruno Le Maire galt als Mitfavorit für den Eurogruppenchef, zog sich aber als Kandidat überraschend zurück. Nun soll Hans Jörg Schelling gute Karten haben. Könnte das etwas mit dem verheerenden Abschneiden Wiens, das bei EBA und EMA nicht in die zweite Runde kam, zu tun haben?

Man weiß es nicht, und da liegt auch das Problem. Denn intransparente EU-Entscheidungen gibt es schon genug. (Andreas Schnauder, 21.11.2017)

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