Lungenentzündung: Impfung statt Antibiotika

    21. November 2017, 12:13
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    Bei einer bakteriellen Lungenentzündung ist ein intaktes Immunsystem zentral – Forscher wollen das Immunsystem durch eine Impfung stärken

    Zürich – Mykoplasmen zählen zu den häufigsten Erregern einer bakteriellen Lungenentzündung bei Kindern. Die Entstehung der Krankheit ist nach wie vor unklar. Nun konnten Forscher des Universitäts-Kinderspitals Zürich zeigen, dass spezifische Immunzellen, sogenannte B-Zellen, für die Heilung der Infektion essentiell sind.

    Während die von ihnen produzierten Antikörper die Mykoplasmen in der Lunge eliminierten, waren die Bakterien im Nasen-Rachen-Raum wochenlang nachzuweisen. Die Wissenschafter kultivierten zusätzlich die Bakterien mit einem Fluoreszenzstoff und konnte die Erreger erstmals während der Infektion visuell in der Lunge und den oberen Atemwegen verfolgen. Am Mausmodell bestätigten sich die klinische Beobachtungen bei Kindern, deren obere Atemwege im Anschluss an eine Infektion mit Mykoplasmen besiedelt blieben.

    Unterschiedliche Immunabwehr

    Was die Forscher noch herausfanden: Die Immunabwehr nach der Infektion unterscheidet sich zwischen Lunge und oberen Atemwegen deutlich. So konnten in der Lunge mehr sogenannte IgM- und IgG-Antikörper sowie eine deutliche Zunahme und Aktivierung von B-Zellen in den lokalen Lymphknoten festgestellt werden. – Dadurch konnten die Erreger innerhalb von Wochen zerstört werden. Im Gegensatz dazu fanden sie in den oberen Atemwegen IgA-Antikörper, keine Aktivierung von B-Zellen und demzufolge eine Persistenz des Erregers.

    Experimente mit Mäusen ohne B-Zellen lieferten letztlich den Beweis, dass die in die Mäuse transferierten Antikörper die Bakterien in der Lunge effektiv zerstörten, diese aber den Erreger in den oberen Atemwegen nicht eliminieren konnten.

    "Dies sind die ersten Daten, die beweisen, dass die durch Antikörper vermittelte Immunantwort für eine Lungeninfektion mit Mykoplasmen essentiell ist", erklärt Studienleiter Patrick Meyer Sauteur. Die Forscher hoffen nun, auf Basis ihrer Ergebnisse spezifische Impfstoffe entwickeln zu können, die das Immunsystem auf die Abwehr vorbereiten und eine Infektion verhindern. (red, 21.11.2017)

    • Auch Mykoplasmen werden zunehmend resistent gegen Antibiotika. Eine Impfung könnte eine Alternative werden.
      foto: getty images/istockphoto

      Auch Mykoplasmen werden zunehmend resistent gegen Antibiotika. Eine Impfung könnte eine Alternative werden.

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