Wienwert-Prospekt warnt vor "marktenger" Strategie

21. November 2017, 07:07
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Der Kauf der Siemens-Gründe ist am 29. September geplatzt. Der jüngste Anleiheprospekt sieht Risiken in Strategie und fehlenden Projekt-Fertigstellungen

Wien – Aus dem Kauf der Siemens-Gründe in Wien-Floridsdorf ist für die private Wiener Immobiliengesellschaft Wienwert nun doch nichts geworden. Wienwert und der Elektronikkonzern hatten Verhandlungen zum Grundstück in der Siemensstraße 87-89 geführt. Wie berichtet hätte die Gemeinde Wien selbiges nicht für Wohnbau umgewidmet; Wienwert will aber "leistbaren Wohnbau" schaffen.

Im Sommer war medial kolportiert worden, das von Stefan Gruze geführte Unternehmen habe den Zuschlag für die Siemens-Gründe bekommen und rechne mit der Umwidmung des Areals. Siemens hat aber am Sonntag bekannt gegeben, dass man sich nicht geeinigt habe. Laut einem Sprecher von Siemens Österreich sind die Gespräche zu Ende des Sommers geplatzt. Gruze ist für Anfragen seit Monaten nicht zu erreichen.

Siemens-Projekt gestrichen

Im Anleiheprospekt der Wienwert AG von 10. Oktober 2017 ist das Platzen des intern "Projekt 5" genannten Vorhabens allerdings schon nachzulesen. Bei der Veröffentlichung handelt es sich um den vierten Nachtragsprospekt, in dem Anleihegläubigern neue Schuldverschreibungen offeriert wurden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wienwert schon die staatliche Bundespensionskasse an Bord, mir deren luxemburgischen Fonds Wohnen Plus sie Projekte künftig gemeinsam finanzieren will, über Projektgesellschaften, an denen die Partner jeweils fifty-fifty beteiligt sein sollen.

Informationen zum Kaufvorhaben "Projekt 5, 1210 Wien" sind aus diesem Nachtragsprojekt "ersatzlos gestrichen". Am 29. September habe die Emittentin, also Wienwert, ihr Angebot an die Verkäuferin (Siemens) zurückgezogen, es sei um eine Grundstücksfläche von 64.000 Quadratmetern gegangen. Zum Grund für den Rückzieher heißt es im Prospekt, der Wienwert seien "wesentliche Parameter nicht ordnungsgemäß offengelegt worden, wozu aus Sicht der Emittentin zweifelsfrei eine Verpflichtung bestanden hätte". Anzunehmen, dass es um Widmungsfragen gegangen ist.

Erst eine Umwidmung

Zudem werden die Anleihezeichner im Prospekt auf eine "marktenge Strategie" hingewiesen: "Zum Datum des Prospekts (10. Oktober; Anm.) ist noch kein Immobilienprojekt fertiggestellt und es besteht ein gering diversifiziertes Portfolio von derzeit bis zu vier geplanten und beabsichtigten Immobilienprojekten." Zudem liege erst für ein Immobilienprojekt die Umwidmung vor. (Renate Graber, 21.11.2017)

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