Die Dritte Welt: "Im Zentrum" zur Sozialdemokratie auf ORF 2

20. November 2017, 17:16
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"Alles neomarxistische Propaganda!", tobte ein FP-Nationalratsabgeordneter zu Hause vor dem Bildschirm

"Warum hat eigentlich ein Mensch das Recht, mehr zu verdienen als eine Krankenschwester?" Eine Frage, mit der Liedermacher Konstantin Wecker am Sonntagabend in der ORF-Sendung "Im Zentrum" den Kabarettisten Max Uthoff zitierte. Es ging eigentlich um die Krise der Sozialdemokraten, die nur mehr sechs von 28 EU-Staaten regieren.

Und da war die Runde bei Claudia Reiterer, bestehend aus SPÖ-Kanzler Christian Kern, den die Abwesenheit von Wahlkampf und Spindoktoren entspannt diskutieren ließ, der in London stationierten Journalisten Cathrin Kahlweit und dem Unternehmer Martin Ohneberg bald bei Steuern und sogenannten Leistungsträgern. Schon im Studio taten sich da zwei Welten auf: Eine, in der etwa Wecker, der als "Mensch, als Poet und bekennender Anarchosyndikalist" sprach, meinte, dass Menschen, die ein behindertes Kind pflegen, mehr leisteten als ein Chef eines Autokonzerns oder Kern an die Paradise Papers erinnerte, und dann eine zweite Welt, in der Ohneberg meinte: Die "sogenannten Reichen" zahlten schon genug und Armut sei ohnehin überwunden, den Menschen gehe es überall auf der Welt besser. "Auch in Afrika?", wollte da Wecker wissen.

Aber es gab noch eine dritte Welt: "Alles neomarxistische Propaganda!", tobte ein FP-Nationalratsabgeordneter zu Hause vor dem Bildschirm und ließ die Nation am nächsten Tag per Aussendung wissen, dass der ORF Sendezeit für Agitatoren einer "veralteten Ideologie" verschwende. Hätte er das gewusst, hätter er seine Zeit wohl lieber auf dem Friedhof statt vor dem Empfangsgerät verbracht, um wieder einmal den Grabstein der NS-Ikone Walter Nowotny zu polieren. (Colette M. Schmidt, 20.11.2017)

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