Pipsi und Bruno: Kalabresen reisen

Kolumne24. November 2017, 10:57
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Bruno reist, wie einst Pipsi, von Kalabrien nach Wien und wird nicht gleich begeistert aufgenommen

Auch wenn es auf einem Foto viel hergemacht hätte: Im formidablen Fiat Millecento, den wir im Urlaub in Kalabrien aufgespürt haben, saßen Pipsi und Bruno natürlich nicht einträchtig auf der Vorderbank. Denn die vor drei Jahren aufgelesene Promenadenmischung, vom Kollegen Gianluca als Principessa verehrt, war auf Sommerfrische bei der Mamma (wo sie ordentlich Winterspeck ansetzte), damit wir im Belpaese den güldenen Herbst und die Olivenernte samt Ölpressung genießen konnten. Wobei: Genossen ist eine Untertreibung. In Österreich tobte der Wahlkampf – und wir delektierten uns derweil am jungen "olio d'oliva".

Chancen nutzen

Pipsis Abwesenheit war Brunos Chance, von der Kette los- und nach Österreich zu kommen. Mit einem fetten SUV wäre die Migration natürlich einfach gewesen, da ist Platz. Aber die Rückbank eines profanen Kombis tut es auch. Nur einsteigen muss das Vieh halt. Aber irgendwie muss der kluge Bruno doch gespürt haben, dass es Essig ist mit der großen Freiheit, wenn er sich weigert, die Transportbox als Hundehütte zu akzeptieren. Also verfügte sich die "Mistecca" (so die vom liebenswerten Dottore Calabretta in der Rubrik "Rasse" im Hundepass eingetragene Beschreibung) fünf Minuten vor der Abfahrt doch noch in den Käfig. Und schlief bis Wien brav wie ein Schoßhund. Ebendort war dann die Hölle los. Pipsi mutierte zum Drachen, der den Eindringling in die Schranken wies und seines Spielzeugs und Fressnapfs beraubte.

Matrimonio italiano

Doch auch diese Aufregung legte sich, als Pipsi realisierte, dass Bruno ein lustiger Zeitgenosse ist. Die zwei sitzen bisweilen wie ein altes Ehepaar auf dem Sofa, wenn sie nicht gerade die Wohnung devastieren. Im Auto ist übrigens die traditionelle Rollenverteilung gewahrt: Pipsi kauert auf dem Boden, Bruno wacht oben auf der Rückbank. (Luise Ungerboeck, 24.11.2017)

  • Ja, es kann schon einmal passieren, dass ein Hund, von der Kette in Kalabrien mit dem Auto nach Wien reist.
    foto: getty images/istockphoto

    Ja, es kann schon einmal passieren, dass ein Hund, von der Kette in Kalabrien mit dem Auto nach Wien reist.

  • Bruno und Pipsi während der Probe des alten Ehepaares, also vor und nach dem Devastieren der Wohnung.
    foto: luise ungerboeck

    Bruno und Pipsi während der Probe des alten Ehepaares, also vor und nach dem Devastieren der Wohnung.

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