"Don Pasquale": Donizettis farbenfroher Frühling der Liebe

    20. November 2017, 16:15
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    Ein Geniestreich: "Don Pasquale" in der Kammeroper, von Marcos Darbyshire inszeniert, von Tscho Theissing musikalisch neu eingekleidet.

    Wien – Ja, die drei haben sich wirklich lieb. Dass die bildschöne Norina und der sensible Ernesto vom Librettisten Giovanni Ruffini füreinander geschaffen wurden, ist seit 1843 hinlänglich bekannt.

    Aber hoppla: Norina findet auch Ernestos Freund Malatesta attraktiv; der Arzt wiederum empfindet für Ernesto mehr als freundschaftliche Gefühle. Nur der alte Zausel Don Pasquale steht der heiteren Ménage-à-trois im Weg. Noch …

    Heilige Cäcilia, was ist der Wiener Kammeroper da wieder für eine zauberleichte, erfrischende Produktion geglückt! Regisseur Marcos Darbyshire setzt seine frühlingsfreche Deutung mit Witz und Esprit um – und dank glänzender komödiantischer Leistungen der Protagonisten.

    Herzerwärmend

    Carolina Lippo ist eine herzerfrischend freche Norina, die dem Geizhals Don Pasquale die Ehe zur Hölle macht – und bewältigt die Partie mit ihrem höhen sicheren Sopran bravourös. Der Ernesto von Julian Henao Gonzalez transportiert dank seines goldhellen Tenors Jugend und Zuversicht – wobei der Kolumbianer die Partie bei der Premiere dynamisch behutsam anlegt und oft ins Falsett wechselt.

    Matteo Loi gibt einen bezaubernd schelmischen Malatesta und singt ihn mit geschmeidigem Bariton. Ein druckfreieres vokales Strömen würde man Florian Köfler wünschen; der Österreicher spielt den optisch an Herman Munster erinnernden Don Pasquale aber fulminant.

    Die Ausstattung von Annemarie Bulla ist ein Traum: die Kostüme zinnoberrot, giftgrün, zitronengelb und lila und doch so geschmackvoll und passend zum cabarethaften Make-up, das in die 1920er-Jahre verweist. Das herzerwärmende, stimmungsreiche Don Pasquale-Arrangement Tscho Theissings, das dieser mit den (sieben) Wiener Theatermusikern umsetzt, ist ein Genuss und lässt Anklänge an Nino Rota erkennen.

    Fazit: das ideale Antidot zum herbstlichen Grau, ein Geniestreich. Wärmste Empfehlung! (Stefan Ender, 20.11.2017)

    Kammeroper, bis 12.12.

    • Witz und Esprit: Der Wiener Kammeroper ist ein zauberleichter "Don Pasquale" mitsamt einer glänzenden komödiantischen Leistung der Protagonisten geglückt.
      foto: herwig prammer

      Witz und Esprit: Der Wiener Kammeroper ist ein zauberleichter "Don Pasquale" mitsamt einer glänzenden komödiantischen Leistung der Protagonisten geglückt.

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