Honda Clarity: Zurück in die Zukunft

23. November 2017, 08:00
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Der Honda Clarity Fuel Cell wird, wie der Name schon sagt, von einer Brennstoffzelle angetrieben

Wien – Die Idee, Wasserstoff als Treibstoff für Automobile zu verwenden, ist inzwischen auch schon ein paar Jahre alt. In den 1930er-Jahren fuhren bereits die ersten Wasserstoffbusse durch Danzig. 50 Jahre später arbeitet BMW heftig am Wasserstoffauto.

foto: guido gluschitsch
Wasserstoff tanken ist so unaufregend wie Benzin nachfüllen.

In diesen Fahrzeugen wurde der Wasserstoff aber einfach verbrannt, in etwa so wie Benzin in Ottomotoren. Die Brennstoffzelle, wie sie heute im Honda Clarity Fuel Cell, aber auch im Toyota Mirai oder dem Hyundai ix35 FCEV arbeitet, gibt es auch schon seit Ende der 1930er-Jahre – obwohl damals niemand daran dachte, damit ein Auto anzutreiben. Das ging auch schlecht, denn als Honda 1998 mit dem V0, dem Vehicle 0, zum ersten Mal eine Brennstoffzelle in einen siebensitzigen Van baute, bliebt nur noch Platz für den Fahrer – so raumgreifend war die Technik.

foto: guido gluschitsch
Hinter dem futuristischen Design des Honda Clarity verbergen sich auch Luftwiderstandsschmähs wie Air-Curtains, welche die Räder unsichtbar, aber effizient verkleiden

Inzwischen hat Honda mit dem Clarity Fuel Cell eine moderne Limousine gebaut, die sogar fünf Personen Platz bietet und deren Antriebseinheit nicht mehr größer ist als der hauseigene V6-Motor. Damit finden nun Motor, Getriebe und der Brennstoffzellen-Stapel, die zusammen rund 220 Kilogramm wiegen, unter der Motorhaube Platz.

foto: guido gluschitsch
Die hinteren Radkästen decken einen Teil des Reifens ab.

Unter den Vordersitzen befindet sich ein Akku, unter den Rücksitzen ein kleiner Tank, im Heck ein zweiter, größerer. Zusammen können die Tanks, bei 700 bar Druck, fünf Kilogramm Wasserstoff aufnehmen – genug für eine errechnete Reichweite von 650 Kilometern, in der Praxis bleiben davon 450 bis 550 Kilometer, je nachdem, wie rigoros man das Drehmoment von 300 Newtonmetern auskostet.

foto: guido gluschitsch
Der Innenraum des Clarity.

Bei starkem Beschleunigen nimmt der Motor Energie aus dem Akku und der Brennstoffzelle, beim kontinuierlichen Fahren reicht die Energie aus der Brennstoffzelle und wann immer es vernünftig ist, etwa beim Verzögern, wird Rekuperationsenergie in die Akkus geladen. Im Leerlauf lädt die Brennstoffzelle den Akku.

Entspannt cruisen

Wichtiger ist aber: Wie fährt sich dieses 1,9 Tonnen schwere Auto? Ganz gut – wie eine stattliche Limousine, komfortabel und doch spurtstark. Gut, auf der Bremse merkt man das Gewicht dann schon ein wenig, aber geschenkt, denn der Clarity will ja eh kein Sportwagen sein. Er ist für den nordamerikanischen und den japanischen Markt gemacht. Bei uns gibt es ihn gleich gar nicht – noch nicht. 2020, 2021 könnte er kommen. So genau ist das nicht festgelegt. Das liegt ein wenig an der Infrastruktur – und an rechtlichen Kleinstigkeiten.

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Der Kofferraum ist ungewöhnlich klein, aber eine Kiste Bier geht sich aus...

"Am Anfang gehen wir alle durch das Tal des Todes mit dem negativen Profit", erklärt Thomas Brachmann, Forschung und Entwicklung bei Honda, die Situation von Tankstellenbetreibern und Autobauern. Aber Honda ist überzeugt, mit dem Ausbau von unterschiedlichen Arten der E-Mobilität aufs richtige Pferd zu setzen. Fragt sich nur noch, woher der Wasserstoff kommt. (Guido Gluschitsch, 23.11.2017)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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