Soros wehrt sich gegen Ungarns Negativkampagne

    20. November 2017, 14:26
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    US-Milliardär kritisiert "Verzerrungen und glatte Lügen" in Fragebogen-Aktion

    Budapest – Der ungarischstämmige US-Milliardär und Philanthrop George Soros wehrt sich gegen die Negativkampagne der rechtskonservativen ungarischen Regierung gegen seine Person. Die laufende "nationale Konsultation" enthalte "Verzerrungen und glatte Lügen" und führe die Ungarn über seine Standpunkte zu Migration absichtlich in die Irre, kritisierte Soros am Montag in einer veröffentlichten Erklärung.

    Der 86-jährige jüdische gebürtige Ungar ist seit Monaten Zielscheibe von Attacken der Regierung von Premier Viktor Orban. Sie unterstellt dem US-Milliardär, einen angeblichen Plan zur Organisation der Masseneinwanderung nach Europa zu haben. Derzeit läuft eine Fragebogen-Aktion der Regierung, bei der die Bevölkerung Suggestivfragen zum angeblichen "Soros-Plan", um Europa mit Flüchtlingen aus Asien und Afrika zu "überschwemmen", um die "christliche und nationale Identität" seiner Völker zu zerstören, beantworten soll.

    Widerlegung

    Jede der sieben Aussagen des Fragebogens sei eine Verzerrung oder eine Lüge, kritisierte Soros in der auf seiner Homepage veröffentlichten Erklärung am Montag und wies jeden einzelnen Punkt zurück. Er warf der Orban-Regierung vor, dass die Medienkampagne, "islamfeindliche Stimmung schürt und antisemitische Tropen nutzt, die an die 1930er erinnern".

    Bisher habe er sich zurückgehalten, öffentlich auf die "Attacken" durch Orban zu reagieren, erklärte Soros in einem ebenfalls am Montag veröffentlichten Interview mit der "Financial Times". Nun habe er aber entschieden, sich zu äußern, weil er um die Sicherheit der von seiner Stiftung unterstützten Bürgergruppen fürchte.

    Soros verteidigte seine einstige Unterstützung für Orban in den 1980er Jahren, als er diesem unter anderem ein Studium in Oxford ermöglichte. "Als ich ihn damals unterstützte, war er der Führer einer junge Studentengruppe", die sich gegen das damalige Regime stellten. "Es hat sich Orban in Wirklichkeit verändert von dem Führer einer Rebellion gegen das damals vorherrschende Regime zu einem Führer eines Mafia-Staates", sagte Soros und appellierte an die übrigen EU-Regierungen stärker gegen Orbans Vorgehen der Zivilgesellschaft aufzutreten und Sorgen über die Rechtsstaatlichkeit in Ungarn auszudrücken. (APA, 20.11.2017)

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