Naturschutzbund fordert "eine Chance für den Wolf"

    20. November 2017, 13:54
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    Naturschützer sammeln mit Petition Unterschriften, um den Wolf in Österreich zu "akzeptieren" – Politik muss Maßnahmen ergreifen, um betroffene Bauern nicht alleine zu lassen

    Wien – Ein 1882 erlegter Wolf galt als letzter seiner Art in Österreich. Doch seit Jahrzehnten durchwandern einzelne Tiere wieder das Land, am Truppenübungsplatz Allentsteig (NÖ) hat sich ein Rudel niedergelassen. Mit der Rückkehr der Wölfe sind auch Ängste, Sorgen und Ablehnung verbunden. "Eine Chance für den Wolf" fordert nun der Naturschutzbund in einer Petition – vor allem auch von der Politik.

    Österreich sei das letzte Alpenland, in dem sich wieder ein Wolfsrudel gebildet hat, erklärte der Biologe Leopold Slotta-Bachmayr vom Naturschutzbund, der ein Projekt zur "Akzeptanzförderung für den Wolf" leitet, am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

    Das Rudel in Allentsteig umfasse derzeit sieben Tiere, zwei dort im Vorjahr geboren Wölfe seien bereits abgewandert. Nachweise von durchwandernden Tieren habe es im Burgenland, Tirol, Ober- und Niederösterreich gegeben. Die Rückkehr sei ein "wichtiger Lückenschluss für die Wolfsautobahn durch Europa".

    Kotrschal: Betroffene nicht vergessen

    In der Bevölkerung wird der Wolf durchaus positiv und als wesentlicher Bestandteil der Natur gesehen, wie eine kürzlich veröffentlichte Umfrage gezeigt hat. Doch man dürfe nicht auf jene vergessen, die mit den Wölfen konfrontiert seien, betonte der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal, Leiter des Wolfsforschungszentrums Ernstbrunn (NÖ).

    Für den Naturschutzbund brauchen deshalb besorgte Menschen und betroffene Almbauern Verständnis und Unterstützung. In der Petition werden von der Politik Maßnahmen gefordert, um vom Wolf betroffene Almbauern bestmöglich zu unterstützen.

    Präventionsmaßnahmen notwendig

    In Österreich gebe es 450.000 Schafe. 17 seien von Wölfen gerissen worden, rund 10.000 durch Wurm- und andere Erkrankungen, Blitzschlag usw. verendet, versuchte Max Rossberg, Obmann des Vereins European Wilderness Society, die Relationen klarzumachen. Aus Sicht des Naturschutzbundes sind aber Präventionsmaßnahmen bis hin zu Entschädigungsmaßnahmen notwendig, um eine Koexistenz von Mensch und Wolf zu ermöglichen.

    Herdenschutz – von Zäunen über spezielle Herdenschutzhunde bis zur Wiedereinführung des Berufsbild des Schäfers – sei notwendig, und "das kostet Zeit und Geld", so Rossberg, der auf das Beispiel Schweiz verweist, wo dies bereits umgesetzt werde.

    An den Kosten werde es aber "garantiert nicht scheitern", sagte er und bezifferte die Aufwendungen in Deutschland mit zwei Millionen Euro und in Frankreich mit drei bis vier Millionen Euro. Dagegen würde "der wolfsfreie Alpenraum, die Ausrottung nicht funktionieren, der Wolf kommt wieder".

    "Wölfe und Fischotter als Sündenböcke"

    Kotrschal sieht Vorteile der Rückkehr: "Überall wo es Wölfe gibt, gibt es ein reichhaltigeres Ökosystem, der Wolf ist ein exzellenter Ökosystemmanager." Der Biologe nennt aber auch ein ethisches Argument: "Wie kommen wir dazu, von den Afrikanern große Anstrengungen zum Schutz etwa von Elefanten und Löwen zu verlangen, aber nicht bereit zu sein, das gleiche hier für die Wölfe zu tun."

    Die Rückkehr der Wölfe zwinge dazu darüber nachzudenken, "ob wir die einzigen sind, die das Recht auf Nutzung des Lebensraums haben".

    Für Kotrschal würden "Wölfe und Fischotter zum Sündenbock für eine jahrzehntelang verfehlte Landwirtschaftspolitik gemacht". Die öffentliche Hand müsse erkennen, dass es ihre Aufgabe sei, für eine tragbare Lösung zu sorgen, "das ist Aufgabe des gesamten Staates und nicht nur einer Gruppe".

    Wenn der Naturschutzbund mit der Petition nun Unterschriften sammle, bedeute das nicht, dass man den Wolf hier fördern wolle, "sondern wir ihn akzeptieren, wenn er wiederkommt", so Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbundes Oberösterreich. Das Umdenken sei aber gar nicht so einfach, "wir sind alle ein bisschen Rotkäppchen-geschädigt". (APA, 20.11.2017)

    • Artikelbild
      foto: apa/anett kalmar
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