Wie der Bär auf die Dattelpalme kam

20. November 2017, 14:31
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Dominik Graes und Gottfried Prinz wollen mit ihrem Webshop Dattelbär ihre Vision vom gesunden Naschen realisieren

Linz/Wien – Datteln, von Beduinen als Brot der Wüste bezeichnet, haben es in sich. Sie bestehen zu 70 bis 80 Prozent aus Zucker. Sie sind reich an Vitamin A, B und C und enthalten viele Mineralstoffe, wie Kalium, Calcium und Magnesium sowie Phosphor, Kupfer, Eisen und Zink und weisen unter allen Obstsorten den höchsten Energie- und Rohfasergehalt auf. Und sie beruhigen die Nerven – dank Tryptophan, einer Aminosäure, die die Vorstufe zum "Glücksbotenstoff" Serotonin bildet.

Nicht immer, doch immer öfter ist Gottfried Prinz, Jahrgang 1979, die Ruhe in Person. Nicht erst seit er regelmäßig Datteln isst. Eine Einstellung, die sich entwickelt hat. Vielleicht weil er aufgrund seiner mehr als zehnjährigen Tätigkeit als Firmensanierer häufig gesehen hat, woran Unternehmen gern scheitern. Am verlorengegangenen Blick fürs Wesentliche.

Am Anfang stand die Permakultur

Weniger ist mehr, lautet ein geflügeltes Wort. Wie man mit wenig Zeit ein Unternehmen erfolgreich führen kann – Prinz und sein Geschäftspartner, der Landschaftsgestalter Dominik Graes, scheinen einen Weg dafür gefunden zu haben. Einen süßen gar.

Im Mai 2016 haben die beiden, die sich bei einem Vortrag zu Permakultur kennengelernt haben, den Webshop dattelbaer.at gegründet. Einer der vielen gemeinsamen Nenner waren und sind für die sich vegan ernährenden Freunde: frische Datteln. "Die am besten schmeckenden in meinem Leben" hatte der in Zöbern auf einem Biohof lebende Graes bei Yogi und Yousef, einer niederländisch-saudi-arabischen Kooperation, entdeckt.

Impulsive Entscheidung

Da die Nachfrage nach den Sukkari-Palmenfrüchte im Freundeskreis immer größer wurde, die Zustellung immer zeitraubender und frische Palmenfrüchte zwecks Haltbarkeit im Kühlschrank gelagert werden müssen, "haben wir impulsiv und aus dem Herzen heraus entschieden, das Ganze größer aufzuziehen", erzählt der vom Dattelfieber inzwischen angesteckte Prinz.

Da Graes und Prinz aber so sind, wie sie sind, nämlich an die Möglichkeit einer besseren Welt glauben, vertreiben sie die Datteln mit einer Mission: "Wir wollen gesundes Naschen in die Welt bringen – Süßes ohne Industriezucker."

"Sich auf das Wesentliche besinnen"

So schlagen die zwei Dattelbären nicht nur auf Ernährungs- und Sportmessen die Werbetrommel für die süßen Früchtchen, deren Glukose und Fruktose den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen lassen, sondern besuchen auch Kindergärten und Schulen.

Und das wirklich alles ohne wirtschaftliches Interesse? "Wenn du deinem Herzen folgst, dann ist Monetäres die logische Konsequenz davon", antwortet Prinz. Oder anders ausgedrückt: Mit den richtigen Strukturen gehe vieles den richtigen Gang. Mittlerweile besteht eine Kooperation mit einer Kühllogistikfirma in Linz, der Lagerbestand wird je nach den Bestellungen aufgefüllt. "Wir haben uns von Stunde null an selbst getragen, alles hat sich durch den Verkauf ergeben", sagt der gelernte Betriebswirt.

Die erste Investition sei jetzt ein neues Webshopsystem, in dem alle Geschäftsprozesse wie Logistik, Buchhaltung und Marketing miteinander verknüpft sind. "Wir sind umsatzmäßig gut unterwegs – für das Wirtschaftsjahr 2018 rechnen wir mit einem Umsatz von einer Million Euro – und dabei verbringen wir immer weniger Zeit operativ mit dem Geschäft." Wie das funktionieren kann? "Indem man sich auf das Wesentliche besinnt", ist Prinz überzeugt. "Die meisten von uns haben keine Visionen und sind statt von Liebe von Angst getrieben." (Karin Tzschentke, 20.11.2017)

  • Optische Gegensätze, doch voll auf einer Linie: die Dattelbären Dominik Graes (li.) und Gottfried Prinz.
    foto: ho

    Optische Gegensätze, doch voll auf einer Linie: die Dattelbären Dominik Graes (li.) und Gottfried Prinz.

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