Steinmeier nennt Yücels U-Haft in Türkei "Skandal"

19. November 2017, 16:07
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Deutscher Bundespräsident fordert "Trendwende" im deutsch-türkischen Verhältnis

Berlin – Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich empört über die lange Untersuchungshaft des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel und die Inhaftierung anderer Journalisten in der Türkei geäußert. "Die Tatsache, dass Deniz Yücel seit fast 300 Tagen ohne Anklage in Haft sitzt, ist ein Skandal. Dass so viele andere Journalisten im Gefängnis sind, deren Namen nicht täglich in den Medien aufscheinen, auch", sagte Steinmeier der "Welt am Sonntag".

Zugleich verwies das Staatsoberhaupt darauf, dass die Türkei den deutschen Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner vor gut drei Wochen aus der Haft entlassen hatte. "Und ich hoffe, dass es nach den Wochen und Monaten der Eskalation im deutsch-türkischen Verhältnis eine Chance gibt, eine Trendwende herbeizuführen, um so auch anderen in Haft helfen zu können", sagte Steinmeier.

Yücel (44), der die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, war am 14. Februar in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen worden, am 27. Februar wurde gegen ihn U-Haft verhängt. Das Gericht begründete das mit dem Verdacht der Terrorpropaganda und Volksverhetzung. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigte Yücel außerdem, ein Terrorist und Spion zu sein, ohne dafür Belege zu präsentieren. Eine Anklageschrift hat die Staatsanwaltschaft bis heute nicht vorgelegt. (APA, 19.11.2017)

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