Der Elefant: Wohl und Wehe von Afrikas Exportschlager

18. November 2017, 08:00
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Die Leidensgeschichte des Rüsseltiers wird um das Kapitel Trump erweitert

foto: apa/afp/tony karumba
Ein Erfolgsmodell der Evolution ist in Bedrängnis geraten.

Eigentlich sollte es heute auf fast jeder größeren Landmasse der Erde wildlebende Elefanten geben. Entstanden in Afrika, hat sich die Rüsseltierfamilie auf alle Kontinente mit Ausnahme Australiens und der Antarktis ausgebreitet. Mindestens ein Dutzend verschiedene Arten gab es, Mammuts und ponygroße Zwergelefanten auf den Mittelmeerinseln inklusive. Kurz: Der Elefant war ein evolutionäres Erfolgsmodell und ein wahrer afrikanischer Exportschlager.

Doch bis auf drei sind alle diese Arten verschwunden – oft in verdächtiger zeitlicher Nähe zur Ankunft der ersten Menschen in der jeweiligen Region. Und wir sprechen hier nicht von grauer Vorzeit: Vor ein paar tausend oder zehntausend Jahren, das läuft aus evolutionärer Perspektive noch unter dem Stichwort Gegenwart.

Für die verbleibenden drei Arten – zwei in Afrika, eine in der südlichen Hälfte Asiens – begann es im 20. Jahrhundert eng zu werden, buchstäblich. Kulturflächen breiteten sich immer weiter aus und zerschnitten den Lebensraum der oft über weite Strecken wandernden Riesen. Und dazu kam eine zweite Exportwelle, die diesmal aber keine lebenden Elefanten, sondern Kadaverteile betraf – allen voran das Elfenbein der Stoßzähne. Wilderei lässt die Bestände des Afrikanischen Steppenelefanten pro Jahr um acht Prozent schrumpfen: ein Direktkurs Richtung Ausrottung.

Da wirkt es wie ein Schlag ins Gesicht von Naturschützern, wenn US-Präsident Donald Trump nun Regelungen seines Amtsvorgängers aufheben will, um es Großwildjägern zu erlauben, ihre Trophäen in die USA zu importieren. Konkret betroffen sind Elefanten, die in den südostafrikanischen Staaten Sambia und Simbabwe abgeschossen wurden.

Der absehbare Proteststurm ließ nicht lange auf sich warten. Auf Social Media eifrig geteilte Bilder eines solchen Großwildjägers mit abgeschnittenem Elefantenschwanz in der Hand befeuerten ihn zusätzlich – denn der stolze Waidmann war niemand anderer als Präsidentensohn Donald Trump Jr.

Im Weißen Haus ruderte man anschließend vorsichtig zurück: Noch sei nichts endgültig beschlossen, erklärte Pressesprecherin Sarah Sanders. Eine von zwei langen Traditionen wird jedenfalls enden müssen: entweder die sieben Millionen Jahre zurückreichende Erfolgsgeschichte des Elefanten oder die von Trump fortgesetzte steinzeitliche Umgangsweise mit der Natur. Am Samstag hat Trump angekündigt, seine Entscheidung noch einmal überdenken zu wollen. (Jürgen Doppler, 18.11.2017)

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