Klimakonferenz: Große Worte, keine Taten

Kommentar17. November 2017, 17:45
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Es ist Zeit, den Klimaschutz als Chance zu sehen und nicht als Last

Sisyphos muss ein Verhandler bei einer Klimakonferenz sein. Die enormen Aufgaben, zu denen die Delegierten jedes Jahr zäh Lösungen verhandeln, gehen in der fragmentierten Politik der Staaten in den folgenden elfeinhalb Monaten wieder unter. Statt Klimapolitik bewusst zu gestalten, steht man sich gegenseitig im Weg. Die Kluft zwischen Zusagen und Taten ist weltweit tief. Ein Jahr später treffen sich die Verhandler dann wieder zum Nachschärfen. Die Schäden für Menschen, Umwelt und – was oft übersehen wird – auch für die Wirtschaft werden dabei von Jahr zu Jahr irreparabler.

Seit 1995 kommen die Staaten jedes Jahr zusammen, um im Kampf gegen die menschengemachte Klimaerwärmung zusammenzuarbeiten. Doch in dieser Zeitspanne ist der weltweite CO2-Ausstoß nicht einmal stabilisiert worden. Nach drei Jahren Stillstand auf hohem Niveau steigt der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid heuer um zwei Prozent. 2017 wird wieder eines der heißesten Jahre seit Beginn der Messungen 1880 gewesen sein. Auf der Erde flüchten bereits mehr Menschen vor Dürren und Überflutungen als vor Kriegen. Vor allem Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel enttäuschte heuer mit schwammigen Angaben zum Kohleausstieg. Da wäre ihr auch während schwieriger Koalitionsverhandlungen mehr Mut zuzutrauen gewesen.

"Donald Trump ist wenigstens ehrlich", sagt Helga Kromp-Kolb zum Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen von Paris. Denn in den anderen Ländern passiere in der Klimapolitik unterm Strich auch viel zu wenig, kritisiert die Klimaforscherin. Der Klimaschutz schade der Wirtschaft, sagt Trump. Er ist nicht der einzige Entscheidungsträger, der diese Meinung vertritt.

Dieses Argument ist freilich längst widerlegt. Laut dem britischen Ökonomen Nicholas Stern drohen durch die Erderwärmung Schäden in Höhe von bis zu einem Fünftel der jährlichen Wirtschaftsleistung. Und im Gegenteil: Der Klimaschutz hat durch den Ausbau erneuerbarer Energien das Potenzial, die Wirtschaft sogar anzukurbeln. Und daran führt global gesehen kein Weg vorbei, wenn das Pariser Abkommen umgesetzt werden soll. Auch in Entwicklungs- und Schwellenländern öffnet sich ein großer Markt für alternative Energien. Während vor ein paar Jahren Europa etwa beim Ausbau der Windkraft noch als Pionier galt, ziehen nun China, die USA und Indien vorbei. Es ist Zeit, den Klimaschutz als Chance zu sehen und nicht als Last. (Julia Schilly, 17.11.2017)

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