"Death Coming" im Test: Die Drecksarbeit für Gevatter Tod erledigen

    Rezension18. November 2017, 11:00
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    Trotz Knuddellooks ein makabres Rätselspiel mit tiefschwarzem Humor

    Marco wird es schnell zu heiß. Als plötzlich auf mysteriöse Weise sein Sonnenschirm zusammenklappt und sich nicht mehr öffnen lässt, beschließt er deshalb, ein Bad im Pool zu nehmen. Nur dumm, dass sich ausgerechnet jetzt ein Starkstromkabel über dem Wasser löst … Nein, liebe Horrorfilmfreunde, das ist keine Szene aus dem nächsten Eintrag in der "Final Destination"-Reihe, sondern ein – sehr frühes – Rätsel in einem Spiel, das sich von diesem eher simplen Unglücksfall ausgehend zu absurd-unglücklichen und stets mörderischen Kausalketten steigert.

    In "Death Coming" (Windows, 6,99 Euro) sind die Spielerinnen und Spieler als Gehilfen von Gevatter Tod unterwegs. Um selbst wieder ins Leben zurückkehren zu dürfen, sollen sie in sechs Szenarien die Drecksarbeit für den Sensenmann erledigen und sowohl ausgewählte Zielpersonen als auch generell eine möglichst große Menge an Sterblichen das Zeitliche segnen lassen. Das direkte Eingreifen ist unmöglich, stattdessen lassen sich allerhand Gegenstände so manipulieren, dass sie zu mal simplen, mal vertrackten Todesfallen mutieren.

    Absurde Unfälle

    Was mit dem Auslösen simpler Fallen beginnt – ein Blumentopf am Fensterbrett, der nach unten segelt -, wird schon ab der zweiten Mission zum gezielten Ingangsetzen einer komplexen Verkettung unglücklicher Zufälle. Allzuviel sei nicht verraten, da sich der größte Reiz dieses Puzzlespiels aus dem Herausfinden der jeweiligen Lösungen ergibt, die sich vom Banalen hin zum Absurd-Komischen weiterentwickeln. Versuch und Irrtum und das Experimentieren mit den zu Beginn undurchsichtigen Mechanismen sorgen für manche Überraschung – und auch zu manchem Neustart, da sich einige der Fallen nur einmal auslösen lassen. Nach einigen Todesfällen beginnen überdies Engel zu patrouillieren; werden sie mehr als dreimal Zeuge von Manipulationen, heißt es ebenso zurück zum Start.

    Was das recht makabre Spielprinzip etwas weniger düster werden lässt, ist der hinreißend gelungene Pixellook und die Liebe zum Detail, mit der die zum Teil riesigen isometrischen Pixelpuppenhäuser gestaltet sind. Es macht einfach Spaß, den vielen kleinen Pixelmännchen dabei zuzusehen, wie sie mit eigenen Zielen herumwuseln. Die genaue Beobachtung der Wege und Tätigkeiten dieser Bevölkerung bringt auch einige charmante und witzige Details ans Licht, die nicht ausschließlich zum Austüfteln der perfekten Todesfalle nötig sind. Angesichts der niedlichen Pixelwelten und der vielen kleinen Stories, die sich darin abspielen, macht sich dann auch durchaus Reue breit, dass man als Spieler hauptsächlich mit Mord und Totschlag beschäftigt ist. Für Kinder, um es ausdrücklich zu sagen, ist "Death Coming" trotz seiner Optik definitiv nichts.

    flickering myth
    Trailer zu "Death Coming".

    Fazit

    "Death Coming" wandert erfolgreich auf dem Grat zwischen Niedlichkeit und makabrer Gewalt, doch angesichts der Absurdität vor allem späterer Todesfallen bleibt sein Grundcharakter stets eher komisch. Einfach ist es nicht geraten: Die jeweilige "Mindest-Todesanzahl" ist recht hoch angesetzt und auch die erwähnten nur einmal auslösbaren Fallen sorgen dafür, dass man wohl jede der sechs recht großen Spielumgebungen mehrmals neu starten muss, bevor der Sensenmann zufrieden ist.

    Angesichts der Liebe zum Detail und der absolut gelungenen Präsentation stört das aber nicht besonders. "Death Coming" ist ein originelles, bitterböses Puzzlespiel für Freunde des schwarzen Humors. Der Tod war niemals niedlicher. (Rainer Sigl, 18.11.2017)

    "Death Coming" ist für Windows-PC erschienen. UVP: 6,99 Euro.

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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    Death Coming

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