Mehr Jobs für Lehrlinge und Technikabsolventen in Wien

    17. November 2017, 11:31
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    Die Wirtschaftskammer Wien ließ 1.500 Betriebe aller Sparten befragen

    Die Nachfrage nach Lehrlingen, HAK- und HTL-Absolventen wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Lediglich jeder fünfte Wiener Betrieb hat Jobs im Angebot, die sich an AHS-Absolventen richten. Gute Chancen am Arbeitsmarkt haben offenbar auch Fachhochschulabsolventen, besonders die Fächer Technik, Informatik und Tourismus sind gefragt. Aber auch für Universitätsabsolventen könnte es mehr Jobs geben. Hier wird vor allem nach Absolventen der Ingenieurswissenschaften und der Informatik gesucht.

    Zu diesen Schlüssen kommt die Bildungsbedarfsanalyse, die das Institut Jaksch & Partner im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien durchführte. Befragt wurden dafür 1.500 Betriebe aller Sparten, die derzeit mehr als 100.000 Mitarbeiter beschäftigen.

    Lehrlinge gesucht

    Die Studie zeigt: In den nächsten drei bis fünf Jahren werden die Betriebe rund elf Prozent mehr Lehrlinge brauchen als sie heute bereits ausbilden. Fast zwei Drittel der Betriebe geben an, dass das Niveau im Vergleich zu den letzten Jahren schlechter geworden ist. Zehn Prozent konnten darum ihre Lehrstellen im vergangenen Jahr nicht besetzen – das sind umgerechnet rund 600 Lehrstellen.

    Ähnliches gaben die Betriebe für die Absolventen von Polytechnischen Schulen an: 73 Prozent bezeichneten deren Bildungsniveau mit mangelhaft bis schlecht. Gewünscht werden Substitute: 20 Prozent fordern ein weiteres Schuljahr nach der 4. Klasse Hauptschule bzw. AHS, 39 Prozent wollen ein Berufseinführungsjahr, 41 Prozent eine Kombination aus Schul-, und Berufsausbildung.

    Mangel an HTL-Absolventen

    Die AHS ist kein Job-Garant: Lediglich 22 Prozent der Unternehmen haben Jobs im Angebot, die sich an AHS-Absolventen richten. 78 Prozent der Betriebe empfehlen AHS-Absolventen darum ein technisches Studium.

    Die Nachfrage an HAK-Absolventen wird laut Bildungsbedarfsanalyse weiter steigen, nämlich um sieben Prozent. Besonders die Praxisrelevanz der Abgänger wird von 62 Prozent der Befragten als gut bewertet.

    Ebenfalls steigen wird offenbar der Bedarf an HTL-Absolventen – bis 2022 um 14 Prozent. Bereits jetzt herrscht aus Sicht der von einem Drittel der Betriebe ein Mangel an HTL-Absolventen, insbesondere in den Bereichen Informatik, IT und Elektrotechnik/Elektronik.

    Gute Chancen mit Technikstudium

    Den relativ größten Zuwachs wird es bei FH-Absolventen geben: Die Anzahl wird in den Betrieben um rund 20 Prozent steigen. Den relativ größten Zuwachs wird es bei FH-Absolventen geben: Die Anzahl wird in den Betrieben um rund 20 Prozent steigen. Den größten Bedarf an FH-Absolventen gibt es in den Bereichen Technik, Informatik und Tourismus.

    Durchschnittlich absolvieren in den Wiener Betrieben 2,4 Mitarbeiter eine FH berufsbegleitend, mehr als die Hälfte der Betriebe sprechen sich dafür aus, ihre Mitarbeiter bei diesem Vorhaben zu unterstützen.

    Bachelor reicht nicht

    Bei der Anzahl an Jobs für Universitätsabsolventen rechnen die Betriebe in den nächsten Jahren mit einer 9-prozentigen Steigerung. Besonders gefragt sind Studierende der Fachrichtungen Ingenieurswissenschaften (von 42 Prozent genannt) und Informatik (33 Prozent).

    Ein Überangebot herrscht bei Absolventen der Wirtschaftswissenschaften (42 Prozent), Geisteswissenschaften (20 Prozent) und Sozialwissenschaften (17 Prozent).

    Nur 16 Prozent der Unternehmen haben Jobs speziell für Bachelor-Absolventen.

    Digitale Weiterbildung

    Laut Personalisten ist das Arbeitsumfeld der FH-Absolventen (62 Prozent) und der Uni-Absolventen (60 Prozent) am stärksten von der Digitalisierung geprägt. Lehrlinge seien am Wenigsten – nämlich nur 31 Prozent betroffen.

    Drei Viertel der Unternehmen forciert Weiterbildung in diesem Bereich. Betriebe setzen generell auf Weiterbildung: In 91 Prozent der Unternehmen finden Schulungen statt. Bei Lehrlingen werden pro Jahr durchschnittlich in 7,02 Schulungtage pro Jahr investiert – um zwei mehr als bei Mitarbeitern und Führungskräften. (red, 17.11.2017)

    • Zehn Prozent der Betriebe konnten ihre Lehrstellen bereits im vergangenen Jahr nicht besetzen – das sind umgerechnet rund 600 Lehrstellen.
      foto: regine hendrich

      Zehn Prozent der Betriebe konnten ihre Lehrstellen bereits im vergangenen Jahr nicht besetzen – das sind umgerechnet rund 600 Lehrstellen.

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