Gelenkschmerzen: Was hilft und was schadet

    17. November 2017, 08:33
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    Geht es um schmerzende Gelenke, sind falsche Annahmen in der Bevölkerung weit verbreitet. Ein Orthopäde erklärt, was wirklich stimmt

    Kurzweilig nach übermäßiger und falscher Belastung oder längerfristig nach Verletzungen oder Operationen: Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung wird regelmäßig von Gelenkschmerzen geplagt. Über die Ursachen ranken sich viele Mythen und auch zu Behandlungsmöglichkeiten gibt in der Bevölkerung viele Irrtümer. Was stimmt und hilft wirklich?

    Annahme1: Gelenkschmerzen werden durch Schädigungen des Gelenks ausgelöst
    Die allgemeine Annahme, dass ein schmerzendes Gelenk auch zwingend beschädigt ist, stimmt so nicht. Denn: Bei akuten Schmerzen kann es sich auch um eine Gelenkentzündung handeln, ohne, dass das Gelenk dabei einen bleibenden Schaden davonträgt. "Es kann bei solchen Fällen zum Beispiel auch ein Hüftschnupfen sein, der den Schmerz verursacht. Dieser tritt plötzlich auf und verschwindet gewöhnlich innerhalb von fünf bis 14 Tagen wieder", sagt der Wiener Orthopäde Max Böhler. Trotzdem sollte man für Gewissheit einen Arzt aufsuchen und die Herkunft und Behandlung der Schmerzen abklären.

    Annahme 2: Sport schadet den Gelenken
    Oft wird davon ausgegangen, dass sich Knorpel und Gelenke bei zu viel Sport abnutzen und zu Schmerzen führen. Diese Annahme ist jedoch falsch, da Knorpel Bewegungen für die Aufrechterhaltung ihrer Funktion brauchen und nur durch regelmäßige Belastung nötige Nährstoffe aufnehmen können. Sport ist nur dann schädigend für die Gelenke, wenn die falsche Sportart oder ungeeignete Sportgeräte oder Hilfsmittel verwendet werden – zum Beispiel das Laufen mit falschen Schuhen oder eine Fehlbelastung beim Muskeltraining.

    Annahme 3: Salben heilen Gelenkerkrankungen
    Viele Patienten gehen davon aus, dass sie ihre Gelenkprobleme mit Salben wegschmieren können. Dem ist leider nicht so. Salben können zwar Symptome wie Schwellungen und deren Rückgang positiv beeinflussen, aber eine Gelenkerkrankung nicht heilen. Bei tatsächlichen Erkrankungen muss mit einem Arzt eine geeignete Therapie besprochen werden, anstatt sich auf Salben zu verlassen.

    Annahme 4: Stärker geschädigte Gelenke schmerzen mehr
    "Häufig wird davon ausgegangen, dass die Intensität von Gelenkschmerzen unmittelbar vom Gelenkschaden abhängt, das stimmt aber nicht immer", so Böhler. Oft sind Menschen mit nachweisbaren Gelenkschäden schmerzfrei, während andere Patienten mit Schmerzen ein intaktes Gelenk aufweisen. Nicht selten hängen Schmerzen in den Gelenken mit anderen Faktoren zusammen, als einem Gelenkschaden. Es spielen viele Faktoren mit, wie auch unter anderem mentaler Stress und Fehlbelastungen.

    Annahme 5: Gelenkschmerzen kommen im Alter
    Die meisten Patienten mit Gelenkschmerzen gehören zwar zu den Best Agern, dennoch entscheidet nicht das Alter allein darüber, ob man Gelenkschmerzen hat oder nicht. Für die Schmerzintensität bei Arthrose spielen zusätzliche Faktoren wie Übergewicht, Verletzungen, Geschlecht und Hormone eine Rolle. "Selbst Hormone können Gelenkschmerzen beeinflussen. Nach einer Brustkrebsbehandlung wird zum Beispiel Östrogen blockiert, was zu Entzündungen in den Gelenken führen kann", so Böhler. (red, 17.11.2017)

    • Knorpel brauchen Bewegungen für die Aufrechterhaltung ihrer Funktion. Nur eine falsch ausgeübte Sportart schädigt die Gelenke.
      foto: dpa

      Knorpel brauchen Bewegungen für die Aufrechterhaltung ihrer Funktion. Nur eine falsch ausgeübte Sportart schädigt die Gelenke.

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