Ausbildungspflicht: Abholen statt aussortieren

    Kommentar17. November 2017, 12:00
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    Die Maßnahme klingt ordnungspolitischer als sie tatsächlich ist

    Aussortiert werden geht für Junge ganz einfach. Ein paar blöde Schleifen in der Pubertät. Die falschen Freunde. Die falsche Herkunft. Probleme daheim. Oder einfach laut defiziorientiertem System zu schwierig, zu laut, zu langsam, zu widerständig, zu unangepasst. Rund 5000 Junge jährlich finden nach der Pflichtschule keinen Weg in die Mechanismen des Arbeitslebens. Zusammen rund 75.000 Junger bis 24 sind laut Erhebung der Uni Linz derzeit solche "Fälle".

    Die Paradoxien der Jobwelt – auf der einen Seite die, die draußen sind und auf der anderen Seite tausende freier Lehrstellen – zu einer Gleichung umzuformen und zu sagen "tut die halt dort hinein": so einfach ist es nicht. Es bedarf eines vielseitigen Netzes an Begleitung und Beratung, nicht en masse sondern individuell – unter Berücksichtigung aller Lebensumstände, die gerade hemmen. Das knüpft die sogenannte Ausbildungspflicht gerade – wobei: Das klingt ordnungspolitischer als es tatsächlich ist. In Wahrheit geht es um koordinierte Kooperation von Jugend- Bildungs- und Arbeitsmarktinitiativen, zu der sich Sozialpartner und die alte Regierung commitiert haben. Seit Monaten ist es still geworden um die Ausbildungspflicht. Eine ganz schlechte Idee, denn auch wenn Österreich sich auf eine der niedrigsten Quoten der Jugenarbeitslosigkeit berufen kann: Zig Tausende Aussortierte und ihre Schicksale wirken auf die gesamte Gesellschaft. Nicht zum Guten. (Karin Bauer, 17.11.2017)

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