Stellenabbau bei Siemens: 1.300 Mitarbeiter protestieren in Berlin

17. November 2017, 13:27
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Überkapazitäten bei Großturbinen und im Kraftwerksbau betreffen auch Wien-Floridsdorf. Siemens-Beschäftigte wollen den Stellenabbau nicht kampflos hinnehmen

München – Der massive Stellenabbau beim Siemens-Konzern schlägt auf Österreich durch. Die Kürzungen in den Sparten Kraftwerke und Großturbinen werden auch den Hauptstandort Wien-Floridsdorf betreffen, wurde in einer Telefonkonferenz am Donnerstagnachmittag verkündet. In Deutschland haben Betriebsräte und Gewerkschaft bereits Widerstand gegen den Jobabbau angekündigt.

In Wien sowie an den Standorten Offenbach und Erlangen gebe es die gleichen Kompetenzen beziehungsweise Beschäftigte, die das Gleiche machen. Hier wolle der Konzern die Kapazitäten "bündeln", hieß es. Der Schwerpunkt dieser Aktivitäten liege derzeit in Erlangen, dem Technologie- und damit Machtzentrum des bayerischen Elektromultis.

Auftragsflaute in mehreren Sparten

Wie viele Mitarbeiter bei Siemens Österreich in Kraftwerks- und Antriebstechnik betroffen sind, war am Donnerstag nicht zu erfahren. Zunächst führe man Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern, hieß es. Die Wiener Siemensianer wurden vom Stammhaus in München dem Vernehmen nach erst kurz vor der Telefonkonferenz informiert. Nun gebe es Gespräche mit dem Betriebsrat, dann werde die Öffentlichkeit informiert. Einen Teil dieser Aktivitäten hat Siemens vor mehr als zehn Jahren kräftig ausgebaut, als man 2005 die teilstaatliche VA Tech übernahm.

Die Auftragsflaute in den Kraftwerks- und Antriebssparten bereitet dem Konzern schon länger Kopfzerbrechen, sie ist auch der Energiewende geschuldet. "Unsere Division 'Power and Gas' kämpft seit längerem mit sehr schwierigen Marktverhältnissen und strukturellen Herausforderungen", sagte Konzernchef Joe Kaeser vor kurzem. "Wir müssen die Kapazitäten anpassen, auch wenn das schmerzhafte Einschnitte bedeutet."

Werke in Görlitz und Leipzig werden geschlossen

Siemens will in den nächsten Jahren weltweit 6.900 Arbeitsplätze streichen, davon die Hälfte in Deutschland. Die Turbinenwerke in Görlitz und Leipzig sollen geschlossen werden, das Werk in Erfurt wird womöglich verkauft, teilte Siemens mit.

Am stärksten betroffen ist die Kraftwerkssparte, dort fallen 6.100 Stellen weg, davon 2.600 in Deutschland. Bei elektrischen Antrieben werden 760 Arbeitsplätze gestrichen, der überwiegende Teil davon in Berlin. Auch hier gebe es deutliche Überkapazitäten. "Wir werden diese Maßnahmen sorgfältig, umsichtig und langfristig anlegen", versprach Personalchefin Janina Kugel.

Proteste in Berlin

Vor der Berliner Siemens-Zentrale haben am Freitag Mitarbeiter des deutschen Elektrokonzerns gegen den geplanten Stellenabbau protestiert. Nach Angaben der IG-Metall versammelten sich 1.300 Beschäftigte auf dem Betriebsgelände, um gegen die Einschnitte zu demonstrieren. Die Gewerkschaft hatte zu der Kundgebung aufgerufen, nachdem Siemens am Donnerstag die Pläne öffentlich gemacht hatte.

Die Berliner SPD kündigte ebenfalls Protest gegen die geplanten Schließungen an. Vor dem Hintergrund von Milliardengewinnen, die das Unternehmen erwirtschafte, seien Entlassungen unverständlich, teilte die Partei mit. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bezeichnete die Pläne als "nicht hinnehmbar". Er erwarte von der Wirtschaft mehr "Pflichtbewusstsein für die gemeinsame Sache".

Siemens will in den kommenden Jahren weltweit 6.900 Stellen abbauen, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Allein in Berlin will der Konzern 870 Arbeitsplätze streichen. Siemens reagiert mit seinen Plänen auf die schwache Nachfrage nach Gasturbinen für Kraftwerke und großen Elektromotoren für die Industrie. Zwei Standorte im sächsischen Görlitz und in Leipzig mit zusammen 920 Arbeitsplätzen sollen geschlossen werden (Reuters, ung, APA 17.11.2017)

  • In der Siemens-City in Wien-Floridsdorf stehen Abgänge an, aber nicht nur dort.
    foto: apa/georg hochmuth

    In der Siemens-City in Wien-Floridsdorf stehen Abgänge an, aber nicht nur dort.

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