Kritik an App, die Frauen auf Fotos digital "abschminkt"

16. November 2017, 11:28
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Feature von "Make App" wird von Kritikern als frauenfeindlich eingestuft, "Abgeschminkte" sehen teils wie Zombies aus

Meistens sind Fotofilter in Smartphone-Apps dazu da, etwas zum Gesicht von Abgebildeten hinzuzufügen – etwa Hasenohren oder eine Hundeschnauze. Andere Filter sollen Fotos verschönern, ihnen etwa ein besonderes Ambiente verleihen. Ein Feature der Anwendung Make App geht den umgekehrten Weg: Es erlaubt Nutzern, abgebildete Frauen digital "abzuschminken". Das passiert allerdings auf eine stümperhafte Art und Weise. Anstatt Make-up zu erkennen und dessen Effekt auf das gezeigte Gesicht zu minimieren, lässt Make App die Nutzerinnen einfach blässer und mit Hautflecken erscheinen.

App "erfindet Rötungen und Blässe"

"Nutzerinnen bekommen das Gefühl, die App will ihnen zeigen, dass sie ohne Make-up schlechter aussehen, auch wenn sie das selbst nicht so wahrnehmen", kommentiert die "Teen Vogue". Die Anwendung "erfindet Rötungen und Blässe", heißt es. Auf Twitter haben zahlreiche Userinnen Screenshots der Anwendung online gestellt, um deren Scheitern zu dokumentieren.

Entwickler dementiert Frauenfeindlichkeit

"Wir haben Make App als Experiment gebaut und veröffentlicht; unglücklicherweise fokussiert sich die Berichterstattung einzig auf die Funktion zur Make-up-Entfernung", sagte der russische App-Entwickler Ashot Gabrelyanov zu Buzzfeed. Dass die App "allen Frauen einreden will, sie seien ohne Make-up hässlich", wie es auf Twitter hieß, dementiert Gabrelyanov vehement. Der Entwickler hat selbst ein "abgeschminktes" Video von Angelina Jolie publiziert:

Eine kreative Art, um mit der App umzugehen, hat übrigens "The Verge" gefunden: Dessen Redakteurinnen entdeckten, dass man, wenn man die App mit dem Foto eines ungeschminkten Gesichts nutzt, sich selbst zum Zombie machen kann. (red, 16.11.2017)

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