Rechtes Treffen übersiedelt von Linzer Volksheim ins Rathaus

    15. November 2017, 13:10
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    Eine Veranstaltung des Rechts-außen-Magazins "Info-Direkt" in einem Linzer Volksheim wurde untersagt, jetzt hilft die FPÖ aus und lädt ins Rathaus. Und ein hochrangiger Linzer Magistratsmitarbeiter erscheint auf Identitären-Demos

    Das Rechts-außen-Magazin "Info-direkt" setzt weiter auf Provokation: Nachdem ein geplantes "Lesertreffen" in einem Linzer Volksheim vonseiten der Stadt Linz nach massiven Protesten untersagt wurde, wählte man nun für eine "Ersatzveranstaltung" gleich das Alte Rathaus der Stadt.

    Konkret geht man zwar nicht mehr auf Tuchfühlung mit dem Leser, vielmehr veranstaltet man am 22. November eine Podiumsdiskussion zum Thema "Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit in Gefahr". Auf dem Podium nehmen der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Roman Haider, FPÖ-Bundesrat Michael Raml und Jan Ackermeier, "Info-Direkt"-Miteigentümer und Mitarbeiter der oberösterreichischen FPÖ, Platz.

    Um kein weiteres Lokalverbot zu riskieren, scheint diesmal wohl aus taktischen Gründen als offizieller Veranstalter die Freiheitliche Gemeinderatsfraktion Linz auf. Der Einladungstext offenbart eine Opferrolle: "Auch heute drohen uns durch die Sittenwächter der politischen Korrektheit und das gewalttätige Vorgehen Linksextremer sowie deren freiwillige und unfreiwillige Helfer wieder Einschränkungen in unserer geistigen Bewegungsfreiheit. Nicht nur 'unliebsame' Großveranstaltungen wie Bälle und Kongresse werden zum Ziel linker Störaktionen. Auch kleinere Vorträge von Alternativmedien sind den Feinden der Grundrechte ein Dorn im Auge."

    Heikle Fotos

    Dass es zwischen "Info-Direkt" und der FPÖ durchaus enge Verbindungen gibt, ist so weit bekannt. So scheint im Impressum auch Ulrich Püschel als Miteigentümer (30 Prozent) des Magazins auf. Püschel ist in seinem Brotberuf Büroleiter des Linzer Verkehrsstadtrats Markus Hein (FPÖ) und bekleidet damit ein hochrangiges Amt im Magistrat – was insbesondere angesichts einer weiteren Freizeitbeschäftigung von Ulrich Püschel durchaus heikel ist.

    Fungiert der Rathaus-Mann mal nicht als Medienmacher am rechten Rand, wird von ihm kräftig marschiert – gerne auch mit den Identitären. So zeigen dem STANDARD zugespielte Fotos Püschel etwa bei Identitären-Demos in Spielfeld, am Wiener Westbahnhof und gemeinsam mit seiner Frau bei einer Demo am Kahlenberg. Gesichtet worden sein soll das Ehepaar auch bei einer Veranstaltung des rechtsextremen Instituts für Staatspolitik im deutschen Schnellroda.

    Identitäre mit "interessantem Programm"

    Püschel selbst bestreitet im STANDARD-Gespräch die Demoteilnahmen auch gar nicht: "In der 'Identitären Bewegung' bin ich aber weder Funktionär noch Mitglied. Aus meiner Sicht handelt es sich um eine heterogene Gruppe mit teils unterschiedlichen ideologischen Schwerpunkten." Generell nehme er an "verschiedenen Veranstaltungen unterschiedlichster Organisationen mit interessantem Programm teil".

    Auch mit seiner Funktion als Magistratsangestellter würde sich das nicht spießen. "Die Teilnahme an erlaubten Veranstaltungen steht in der Freizeit jedem Mitarbeiter des Magistrats – von der Reinigungskraft bis zur Magistratsdirektorin – frei", ist der freiheitliche Büroleiter überzeugt.

    Püschels Frau ist übrigens die Tochter von Karl Winkler – dieser ist Vorsitzender der vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als rechtsextrem eingestuften "Österreichischen Landsmannschaft – Landesgruppe Oberösterreich" mit Sitz in der Linzer Ellbognerstraße 60. Und da schließt sich der Kreis: Auch die Info-Direkt Verlags-GmbH ist laut Impressum an besagter Adresse verortet. (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, 15.11.2017)

    • Identitären-Demos: Oft mit dabei ist auch ein hochrangiger Linzer Rathausmitarbeiter.
      foto: apa/pfarrhofer

      Identitären-Demos: Oft mit dabei ist auch ein hochrangiger Linzer Rathausmitarbeiter.

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