Warum Männer stärker unter Schnupfen leiden als Frauen

    14. November 2017, 10:59
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    Viele Männer leiden heftig, wenn sie erkältet sind. Eine Ursache könnte im Immunsystem liegen

    Ein Mann ist erkältet, schnieft und röchelt vor sich hin. Das gängige Klischee vom wehleidigen Mann, der von einem harmlosen Schnupfen außer Gefecht gesetzt wird und bei einer kribbeligen Nase und leichtem Halskratzen schwere Qualen erleidet, ist weit verbreitet. Werden Männer tatsächlich leichter oder stärker von Erkältungs- und Grippeviren angegriffen als Frauen? Diese Frage beschäftigt nicht nur genervte Partnerinnen, sondern auch die Wissenschaft.

    Die Immunologin Beatrix Grubeck-Loebenstein von der Universität Innsbruck untersucht seit Langem, wie sich die Immunsysteme von Frauen und Männern unterscheiden. Ihre Ergebnisse geben all jenen Männern Hoffnung, die sich in ihrer Angst vor Schnupfen und Fieber von der Frauenwelt nicht ernstgenommen fühlen. "Grob vereinfacht lässt sich feststellen, dass Männer durch die Unterschiede in der Immunantwort häufiger krank werden können als Frauen", sagt die Expertin im Vorfeld des Internationalen Männertags am 19. November.

    Um die Schwäche des starken Geschlechts zu verstehen, muss man in die Tiefen des menschlichen Immunsystems eintauchen. Dringen Krankheitserreger in den Körper ein, werden sie durch körpereigene Immunzellen bekämpft. Es gibt grundsätzlich zwei Arten dieser Helfer in der Not: spezifische und unspezifische Immunzellen. Erstere sind nur gegen ganz bestimmte Krankheitserreger wirksam – sie sind quasi die Experten auf ihrem Gebiet. Müssen zum Beispiel Grippeviren bekämpft werden, kommen andere spezifische Immunzellen zum Tragen als bei einer Herpesinfektion. Auf diese Weise kann sich der Mensch gegen eine Vielzahl von Viren, Bakterien oder Parasiten zur Wehr setzen.

    Wie Hormone das Immunsystem beeinflussen

    Doch die Vielfalt der spezifischen Immunzellen hat einen Haken: Von diesen Experten gibt es im Körper jeweils nur eine geringe Menge. Um eindringende Krankheitserreger tatsächlich besiegen zu können, müssen sie sich millionenfach vermehren. Und genau hier kommt der Unterschied zwischen Frauen und Männern zum Tragen.

    Während das weibliche Hormon Östrogen die Vermehrung der spezifischen Immunzellen unterstützt, wirkt sich das männliche Hormon Testosteron genau gegenteilig aus. "Östrogen stimuliert das Immunsystem, Testosteron hingegen unterdrückt es. Das Immunsystem von Frauen reagiert deshalb schneller und aggressiver gegen Krankheitserreger als das von Männern", erklärt Marcus Altfeld vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg. Hinzu kommt: Je höher der Testosteron-Spiegel ist, desto mehr wird das männliche Immunsystem geschwächt.

    Über die Ursachen dieses Unterschieds zwischen den Geschlechtern können die Forscher nur vage Aussagen machen. Altfeld verweist darauf, dass sich das menschliche Immunsystem über Jahrmillionen entwickelt habe. Eine mögliche Erklärung müsse daher weit zurückblicken: "Unsere Vorfahren in der Steinzeit lebten in gemeinsamen Höhlen und setzten sich Gefahren aus. Die Aufgabe des weiblichen Immunsystems war es schon damals, das ungeborene oder neugeborene Kind besonders zu schützen." Dieser Zusammenhang könnte auch den Einfluss der Hormonaktivität erklären. "Der Effekt des durch Östrogen gestärkten Immunsystems ist bei jungen Frauen ab der Pubertät besonders ausgeprägt und wird bei Frauen nach der Menopause schwächer", erklärt Grubeck-Loebenstein.

    Es liegt nicht nur an der Natur

    Die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Immunantwort können also tatsächlich eine wichtige Begründung dafür liefern, warum Männer für viele Krankheiten anfälliger sind als Frauen – und zwar nicht nur für Erkältung und Grippe. An Lungenentzündungen, die besipielsweise durch Pneumokokken verursacht werden, erkranken Männer häufiger. Ebenso an Malaria, die durch Parasiten verursacht wird.

    Doch die Anfälligkeit allein mit dem Testosteron-geschwächten Immunsystem zu erklären, würde zu kurz greifen. "Auch weitere Faktoren spielen eine Rolle, die sich stärker auf das Verhalten und die Umwelt beziehen. Männer leben immer noch risikoreicher, sie ernähren sich ungesünder und sie lassen sich weniger diszipliniert impfen", sagt Grubeck-Loebenstein. Kurzum: Gänzlich können sich Männer nicht auf die Natur berufen, sie haben ihr Schicksal zumindest teilweise selbst in der Hand.

    Auch wenn die Forschung über Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Krankheitsabwehr in den letzten Jahren zugenommen hat, hält Marcus Altfeld den Stand des Wissens immer noch für unzureichend: "Es wird heutzutage viel über personalisierte Medizin geredet, das Individuum soll immer stärkere Berücksichtigung in der Forschung finden. Dabei wissen wir noch nicht einmal genug über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern." (red, dpa, 14.11.2017)

    • Ein Mann, der eine Erkältung hat, leidet sehr. Das liegt möglicherweise auch am Immunsystem.
      foto: apa/dpa/andreas gebert

      Ein Mann, der eine Erkältung hat, leidet sehr. Das liegt möglicherweise auch am Immunsystem.

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