Die ersten Weintrinker lebten im heutigen Georgien

    Video13. November 2017, 21:23
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    Archäologen entdecken in Tonkrügen die weltweit frühesten Hinweise auf die Herstellung des vergorenen Traubensafts

    Toronto/Wien – Georgien gilt unter Archäologen schon seit vielen Jahren als mögliche Wiege des Weins. Es gibt sogar die Vermutung, dass selbst das Wort "Wein" ("Ghwino" auf Georgisch) aus dem Land am Kaukasus stammt. Bislang war man sich aber nicht ganz sicher, ob die Weinrebe von Georgien nach Mesopotamien oder umgekehrt von Mesopotamien nach Georgien kam.

    Faktum ist, dass es heute rund 10.000 verschiedene Arten von kultivierten Weintrauben gibt, und in Georgien wachsen allein rund 500 davon. Wie nun eine neue Studie eines kanadisch-georgischen Archäologenteams um Stephen Batiuk (Universität Toronto) im Fachblatt "PNAS" abermals bestätigt, ist in Georgien vor rund 8000 Jahren tatsächlich erstmals Wein hergestellt worden.

    Scherben von Tonkrügen

    Die bisher ältesten bekannten Spuren des alkoholischen Getränks stammten aus der Gegend des Zagros-Gebirges im Iran und werden auf ein Alter von rund 7000 bis 7500 Jahren geschätzt. Doch bei Grabungen rund 50 Kilometer südlich der georgischen Hauptstadt Tiflis stießen die Forscher auf noch ältere Scherben von Tonkrügen.

    foto: stephen batiuk
    Drohnenfoto der Ausgrabungsstätte Gadachrili Gora rund 50 Kilometer südlich von Tiflis.

    Und diese in Gadachrili Gora entdeckten Überreste aus Ton enthielten die Spuren von Wein. Konkret fanden die Archäologen in den Überbleibseln von acht großen Amphoren Reste von Weinsäure, also dem chemischen "Fingerabdruck" von Wein. Dazu entdeckten sie auch noch Spureh von Äpfelsäure, Bernsteinsäure und Zitronensäure.

    foto: judyta olszewski
    In diesen Scherben vom Boden eines großen Tonkrugs suchte man erfolgreich nach 8000 Jahre alten Weinspuren.

    Innovationen der Jungsteinzeit

    "Wir glauben, dass es sich beim Fund um das älteste Beispiel für die Kultivierung von Trauben zur Weinerzeugung handelt", sagt Batiuk, der auch die Existenz von 500 Traubenarten in Georgien in einen Zusammenhang mit der langen georgischen Geschichte der Weinherstellung bringt. Zugleich verweist er auf das Zusammenspiel verschiedener Innovationen in der Jungsteinzeit.

    Dazu gehören die Haustierhaltung, die Landwirtschaft und insbesondere das Töpfern. Vermutlich wurden ganz frühe Tongefäße nicht weit vom heutigen Georgien gefertigt, nämlich im Westiran.

    foto: judyta olszewski
    Eine alte Amphore im Georgischen Nationalmuseum.

    Expandierende "Weinkultur"

    Laut Batiuk hat die jungsteinzeitliche Kultivierung der Weinrebe in Georgien zu einer Art von Weinkultur geführt, die sich nach und nach über den gesamten Nahen Osten ausbreitete, wo dem Wein "als Medizin, soziales Schmiermittel und Halluzinogen" in verschiedenster Weise gehuldigt wurde. (Klaus Taschwer, 13.11.2017)

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