Schön schauen: "Smilf", "The Marvelous Mrs. Maisel", "4 Blocks"

    23. November 2017, 06:00
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    Zwei wundersame, wunderbare Ladys und endlich die Free-TV-Premiere von Marvin Krens großer Gangserie

    Ich bin enttäuscht. Dass ausgerechnet Schnuckelhase Jeffrey Tambor am Set offenbar keine Lady, sondern ein ziemlicher Ungustl sein konnte, bereitete mir Anfang der Woche schockartige Wallungen. Wie viele Typen wissen eigentlich noch nicht, was sich nicht gehört?

    Jeffrey Tambor ist zu weit gegangen, und jetzt ist es vorbei. Schlimm ist das für die betroffenen Frauen. Wir "fettleibigen und armen" Fernsehzuschauer (Zitat ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling und eine andere Geschichte) werden darüber hinwegkommen. Bestimmt nicht gut geht es damit Jill Soloway und der Community der Transgender People, die sich ermutigt fühlten, ihre Identität auszuleben. Ich bin skeptisch, dass es ohne Tambor gelingt, "Transparent" weiterzumachen, es ist aber auch so nicht mehr dasselbe.

    In tiefer Trauer, aber auch in dem Bewusstsein, dass am großen, bunten Fernsehmarkt es noch vieles zu entdecken gibt, schwenke ich unelegant über auf Prie-Views Kernaufgabe: Höhepunkte der kommenden TV- und Streamingwoche. Aber davor noch der obligatorische SPOILER-ALARM: Wer nichts über Inhalte von "Smilf", "The Marvelous Mrs. Maisel" und "4 Blocks" wissen will, sollte sich im Folgenden auf Fettgedrucktes beschränken. Alle anderen dürfen hereinspazieren:

    Freitag, 24. November: Smilf, 20.15 Uhr, Sky Atlantic
    Delikate Ausgangslage: Bridgette (Frankie Shaw) befürchtet, dass ihre Vagina nach der Geburt ihres Sohnes Larry außer Form geraten ist. Die Vorstellung beunruhigt sie so sehr, dass sie zu entschlossenen Maßnahmen greift und dabei lernen muss, was Antoine de Saint-Exupéry schon den kleinen Prinzen sagen ließ: "Geradeaus kommt man nicht sehr weit." Frankie Shaw betreibt den Vagina-Talk ziemlich offensiv, in Zeiten von #MeToo eine nette Provokation.

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    Samstag, 25. November: The Marvelous Mrs. Maisel, Amazon
    Perfekt, nichts als perfekt ist das Leben der vortrefflichen Mrs. Maisel. Das beginnt mit der oscarreifen Hochzeitsansprache und endet nicht beim leckeren Rinderbraten. Schließlich verfügt sie auch sonst über ganz erstaunliche Qualitäten. Am Abend, nach Einschlafen des Gatten Joel (Michael Zegen), steht sie leise auf und dreht Lockenwickler, um diese im Morgengrauen vor Weckerläuten wieder abzunehmen, und macht auf Schlafmütze, damit der nichtsahnende Ehemann sie liebevoll wecken kann. Krank? Wir schreiben die 1950er-Jahre, Doris Day ist ein liederliches Weib gegen diese Sauberfrau. Letztlich nützt ihr das nur alles nichts, denn Joel ist in seiner Freizeit Stand-up-Comedian in New Yorker Clubs und hat leider ein riesengroßes Problem: Er ist nicht lustig genug. Und so heißt es bald: Mrs. Maisel, bitte übernehmen, und so führt eins zum anderen. Dafür sorgt Amy Sherman-Palladino, derzeit in Hollywood höchstgehandelte Spaßmacherin, die "The Marvelous Mrs. Maisel" erfand und damit eine weitere Talentprobe zündenden jüdischen Humors abliefert. Die Hauptrolle spielt Rachel Brosnahan, wir kennen sie aus "House of Cards". Tony Shaloub hat als monkig-patriarchaler Dad eine Spezialrolle, und spätestens nach 40 Minuten ist das alles nur noch ziemlich göttlich.

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    Dienstag, 28. November: 4 Blocks, ZDF Neo
    Es vergeht ja inzwischen fast keine Woche, in der Marvin Kren nicht irgendeinen Preis für "4 Blocks" abstaubt. Der international erfolgreiche österreichische Regisseur wurde für die Serie bei Festivals ausgezeichnet und gewann zuletzt beim deutschen Fernseh-Akademiepreis gleich in sechs Kategorien. Der Preisregen ist verdient. Man kann diese Serie gar nicht genug loben, für die Geschichte rund um den Gangsterboss Ali "Toni" Hamady und den Krieg der Drogenbanden in Berlin-Neukölln. In Optik und Erzählform erinnert "4 Blocks" stark an den reportagigen Stil eines David Simon, in der Figurenzeichnung an die "Sopranos", wo ein fürsorgliches Familienoberhaupt seine Feinde mit ganzer Härte verfolgt. Hier passt einfach alles, jede Einstellung, jeder Schnitt, jeder Satz ist von einer Wucht, die es im Fernsehen nicht alle Tage gibt. Nach der Premiere auf TNT Serie kommt die Serie um Gangboss "Toni" Hamady nun ins öffentlich-rechtliche Fernsehen, nein, es ist nicht der ORF, sondern ZDF Neo. Qualitätsfernsehen führt seit jeher ein Nischendasein, beim Nachbarn findet es wenigstens dort statt. Der ORF, der sich hier zuständig fühlen müsste, wiederholt stattdessen "Kommissar Rex".

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    Was noch?

    Sonntag, 26. November: Guardians of the Heritage, 21.50 Uhr, History
    In der dreiteiligen Dokumentation nehmen Hannes Jaenicke, Ulrike Folkerts, Christian Berkel, Clemens Schick, Esther Schweins und Aglaia Szyszkowitz die Angriffe auf die Kulturstätten von Palmyra, Nineveh und Nimrud zum Anlass, an Orten rund um den Globus der Frage auf den Grund zu gehen, wie die Menschen ihre kulturelle Identität erhalten können.

    Montag, 27. November: Schwester Weiss, 20.15 Uhr, Arte
    Wer des Schwäbischen mächtig ist, könnte hier seine Freude haben: Der Film von Dennis Todorovic setzt auf Mundart rund um die Geschichte von Martha und Helene Weiß, die eine strenggläubige Ordensschwester, die andere überzeugte Atheistin und Mutter. Zwei ungleiche Schwestern im Dauerstreit.

    Und jetzt noch der Trailer der Woche, vor allem um die Vorfreude zu verkürzen. In Großbritannien ist "Philip K. Dick's Electric Dreams" bereits gestartet, Amazon hat sich die Rechte gesichert und beginnt die starbesetzte Anthologieserie am 12. Jänner 2018. Zehn abgeschlossene Geschichten, die auf zehn Kurzgeschichten des Autors von "Blade Runner", "Minority Report" und "Man in the High Castle" basieren und namhaft besetzt sind. Wir sehen unter anderen: Bryan Cranston (der die Serie auch produziert), Steve Buscemi, Greg Kinnear, Anna Paquin, Terrence Howard, Vera Farmiga, Juno Temple sowie Richard Madden und Liam Cunningham.

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    In diesem Sinne: schöne Woche, frohes Schauen! (Doris Priesching, 23.11.2017)

    Hinweis
    Im Blog Prie-View greift STANDARD-Medienredakteurin Doris Priesching kommende Höhepunkte in linearem und digitalem Fernsehen mit dem Fokus auf Premieren und Erstausstrahlungen auf. Die Auswahl ist subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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