Brustkrebsmedikament könnte auch bei Lungenkrebs helfen

    12. November 2017, 07:00
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    Heimische Wissenschafter haben eine Verbindung zwischen weiblichen Sexualhormonen und Lungenkrebs entdeckt

    Forscher des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien haben mit internationalen Kollegen einen Zusammenhang zwischen weiblichen Sexualhormonen und Lungenkrebs aufgeklärt. Ein Medikament, das bereits gegen Knochenschwund zugelassen ist und in klinischen Studien gegen Brustkrebs getestet wird, könnte sich nun auch im Kampf gegen Lungenkrebs bewähren, berichtete das IMBA am Freitag.

    Mit Tabakrauch wurde bereits in den 1950er-Jahren einer der prominentesten Auslöser für eine Vielfalt von Krebsarten entdeckt, hieß es in der Aussendung. Vor allem die Zellen der Lunge sind davon betroffen, da sie direkten Kontakt mit den krebsauslösenden Stoffen haben. Lungenkrebs ist, wie alle Krebsarten, allerdings eine sehr komplexe Krankheit, die durch ein Zusammenspiel verschiedener Umweltfaktoren und Gene zum Ausbruch kommt, so das IMBA.

    Einige Studien hatten darauf hingewiesen, dass Frauen anfälliger für Lungenkrebs sind als Männer, und dass bei Frauen Lungenkrebs aggressiver ausgeprägt ist. Allerdings war bisher kein geschlechtsbedingter Auslöser bekannt. Diese Verbindung hat ein Team rund um IMBA-Direktor Josef Penninger nun geklärt.

    System als Key-Player

    Zwei RANK und RANKL genannte Eiweiß-Stoffe sind dafür zuständig, dass Knochenzellen geordnet ab- und aufgebaut werden. Dieser Mechanismus im Knochenstoffwechsel wird wiederum von weiblichen Sexualhormonen gelenkt und spielt auch eine Rolle in der normalen Physiologie der weiblichen Brust und bei Brustkrebs. Laut aktuellen Erkenntnissen erwies sich das RANK/RANKL-System "auch bei der Entstehung von Lungenkrebs als wesentlicher Key-Player", berichteten die Forscher um Penninger auch in der Fachzeitschrift "Genes and Development".

    Eine besonders aggressive Form von Lungenkrebs ist das Adenokarzinom. Die Wissenschafter stellten bei Mäusen und Menschen fest, dass dabei der bereits bekannte RANK/RANKL-Signalweg in den Krebszellen aktiv ist und rasches Tumorwachstum begünstigt wird. "Wir haben nun das erste 'Missing-Link' gefunden. RANK/RANKL wirkt bei diesem Karzinom wie eine Art Verstärker, besonders in Lungenkrebsstammzellen, den man gezielt ausschalten kann", sagte Shuan Rao vom IMBA.

    Durch die Gabe des bereits zugelassenen Wirkstoffes Denosumab, der RANK blockiert, wurde ein Fortschreiten der Krankheit signifikant verzögert. Die Entdeckung könnte bei dieser aggressiven Variante des Lungenkrebses den Weg für neue Therapiemöglichkeiten ebnen. "Es fasziniert mich immer wieder, wie vernetzt und geheimnisvoll die Signalwege des menschlichen Körpers funktionieren. Zuerst konnten wir mit Hilfe von RANK/RANKL die Mechanismen der Osteoporose aufdecken, dann gelang es uns, hormonabhängigen Brustkrebs zu erklären und jetzt sind wir bei Lungenkrebs angelangt", sagte IMBA-Direktor Penninger. (APA, 12.11.2017)

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