Wie Paviane menschliche Behausungen plündern

    12. November 2017, 17:44
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    Männliche Bärenpaviane suchen Wohngegenden in Kapstadt heim – und sie tun es nicht wegen Nahrungsmangels in der Wildnis

    foto: gaëlle fehlmann
    Die Gewohnheit, Obstbäume zu pflanzen, dürften Paviane zu den angenehmsten Eigenschaften des Menschen zählen.

    Kapstadt/Swansea – Amseln, Füchse, Kojoten, Wildschweine und viele andere: Die Reihe der Tierarten, die als Kulturfolger menschliche Siedlungsgebiete inklusive Städten als neue Chance nutzen, wird laufend länger. Im Süden Afrikas darf man inzwischen auch Paviane dazurechnen, die laut einer neuen Studie große Verhaltensflexibilität zeigen.

    Im Raum Kapstadt hat man längst ein eigenes Pavian-Management eingerichtet, um äffische Raubzüge einzugrenzen. Die Tiere gehen dabei durchaus frech vor, berichtet Justin O'Riain von der Universität Kapstadt. Sie plündern nicht nur Gärten und Müllcontainer, sondern dringen auch in Häuser ein. In besonders drastischen Fällen kann es sogar zu direktem Mundraub kommen.

    Laut der in "Scientific Reports" erschienenen Studie handelt es sich bei den Räubern, die durch die Maschen des Pavian-Managements schlüpfen, durchwegs um Männchen. Um zu überprüfen, wie die Affen dabei vorgehen, versahen südafrikanische Forscher zusammen mit Kollegen von der Universität Swansea zehn Bärenpavian-Männchen mit Trackern, durch die sich deren Aktivitätsmuster nachverfolgen ließen.

    foto: gaëlle fehlmann
    "Dann sehen wir mal nach, was die Angebote des Tages sind."

    Es zeigte sich, dass die Tiere ihr Verhalten stark umgestellt haben, um auf ihren neuen urbanen Futterplätzen erfolgreich zu sein. Während Paviane in vom Menschen unberührten Gebieten mindestens die Hälfte des Tages mit der Futtersuche verbringen, ist es in Stadtgebieten nur ein Zehntel der Zeit. Die Paviane warten relativ lange Zeit am Stadtrand in Lauerstellung ab, um dann blitzartige, aber "intensive" Beutezüge zu unternehmen. Das Risiko für unliebsame Begegnungen mit ihren aufrecht gehenden Verwandten wird so minimiert.

    Länger müssen die Raubzüge laut dem Team um Andrew King auch nicht sein: Die Nahrung, die die Paviane dem Menschen abluchsen, enthält im Schnitt deutlich mehr Kalorien als ihr natürliches Futter. Allerdings betonen die Forscher auch, dass es sich nicht um eine Notmaßnahme der Affen handelt, weil ihnen die natürlichen Nahrungsquellen ausgehen würden. Die Paviane würden draußen in der Wildnis reichlich Nahrung finden, sagt Kings Kollegin Gaëlle Fehlmann.

    Offensichtlich finden die Tiere das reichhaltige städtische Menü aber verlockender. Das Restrisiko auf Konfrontationen mit dem Menschen, das bei ihrer Blitztaktik noch bestehen bleibt, nehmen sie dafür in Kauf. (jdo, 12. 11. 2017)

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