Soziologe Kolland: So geht Generationenmanagement

    13. November 2017, 11:37
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    Wir brauchen eine neue Kultur der Beziehungen zwischen den Generationen. Für Unternehmen sind die drei wesentlichen Handlungsfelder klar

    Die Lebenswelten von Jung und Alt sind oft weit voneinander entfernt. Während viele Jugendliche in einer Welt des technischen Fortschritts zu Hause sind und über weite räumliche Distanzen vernetzt sind, verbringen manche Senioren ihre Zeit allein oder in Heimen – fernab vom Rest der Gesellschaft. Offen ist, ob die neuen Formen der sozialen Beziehungen über Facebook, Twitter oder Instagram als günstig oder belastend für die Beziehungen zwischen Jung und Alt einzustufen sind.

    Austausch hauptsächlich innerhalb von Generationen

    Alternde Eltern leben mehr als ein halbes Jahrhundert lang gleichzeitig mit ihren Kindern und etwa fünfundzwanzig Jahre gleichzeitig mit ihren Enkelkindern. Die Älteren sind, weil sie gleichzeitig mit Kindern und Enkelkindern leben, ein Teil des Lebens der erwachsenen Kinder und Enkelkinder. Dabei sind die großen kulturellen Abstände zwischen den gleichzeitig lebenden Generationen eine Herausforderung im täglichen Umgang. Festgestellt werden konnte bisher, dass die entfernter liegenden Generationen, d. h. Großeltern und Enkelkinder, sich über weite Strecken besser verstehen als die nahe beieinander liegenden Generationen, d. h. erwachsene Personen und ihre Eltern.

    Wie sehen die Beziehungen zwischen den Generationen außerhalb der Familie aus? Forschungen zeigen, dass die Kommunikation hauptsächlich innerhalb der eigenen Generation abgewickelt wird. Die Generationenspanne beträgt lediglich 15 Jahre, soziale Kontakte werden hauptsächlich mit jenen Personen gepflogen, die nicht mehr als sieben, acht Jahre älter bzw. jünger sind. Es sinkt die Kontakthäufigkeit mit wachsender Altersdistanz der Kontaktpartner. So hat etwa die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung keinen Kontakt zu deutlich älteren Menschen als sie selbst.

    Verteilungskonflikte

    Die Generationenbeziehungen sind jedenfalls durch die demografischen Verschiebungen und durch den Strukturwandel der Familie zu einem zentralen Thema der öffentlichen Diskussion geworden. Einerseits bestehen gesellschaftlich Verteilungskonflikte im Hinblick auf materielle Ressourcen, deren Höhepunkt auf uns zukommt, wenn die jetzt erwerbstätige, geburtenstarke Generation ins Pensionsalter kommt. Andererseits sind innerfamiliär Veränderungen zu erwarten, weil die Ansprüche steigen, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit zu erzielen. Zu den Beziehungen zwischen den Generationen werden aber auch weiterhin Dinge gehören wie Sich-reiben-Können, Gebraucht-Werden, Weitergeben und vor allem Lernen und Reifen.

    Verlangt ist eine neue Kultur der Beziehungen zwischen den Generationen. Dies gilt für den Bereich des Arbeitsmarktes, für die Nutzung neuer Technologien, für den Bereich der Familie. Der Prozess der Kulturüberlieferung, der Weitergabe von Erfahrung und Wissen von einer Generation an die nächste wird immer weniger selbstverständlich. Die Weitergabe von Wissen geschieht zunehmend weniger auf der Basis von überlieferter Erfahrung, sie geschieht auf der Basis gegenseitiger Akzeptanz und von Kompetenzen, die es ständig zu prüfen gilt.

    Die drei Handlungsfelder

    Ein neuer Ansatz in der Unternehmenskultur ist das Generationenmanagement. Gemeint sind damit Rahmenbedingungen in Unternehmen, die allen Altersgruppen Vertrauen und Sicherheit geben, damit diese ihre volle Produktivität entfalten können (Martin Klaffke). Damit soll die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten erhöht und die Arbeitgeberattraktivität eines Unternehmens unterstützt werden. Im Generationenmanagement finden sich drei Handlungsfelder:

    · Organisationale und arbeitspolitische Rahmenbedingungen gestalten; hierbei geht es primär um Personalsteuerungselemente, d. h. um ein aktives Talentemanagement.

    · Lebenslange Leistungsfähigkeit fördern; dabei wird weit über Gesundheitsmanagement und Arbeitsplatzgestaltung hinausgegangen, indem neue Bildungsformate probiert werden und ein neues Führungsverständnis gegeben ist.

    · Intergenerative Wertschätzung und Zusammenarbeit stärken; generationensensible Personalführung ist das Ziel.

    Durch Generationenmanagement lassen sich die Stärken der jeweiligen Generationen erkennen. Diese Stärken lassen sich dann so einsetzen, dass sie das Unternehmen in vielen Bereichen positiv beeinflussen. (Franz Kolland, 13.11.2017)

    Zur Person:

    Franz Kolland ist Soziologie-Professor an der Universität Wien. Dieser Text ist das Extrakt seiner Keynote anlässlich der Abschlussveranstaltung von "Gesunde Arbeitsplätze für jedes Alter", einer Kampagne 2016/2017 der EU-Gesundheitsagentur EU-Osha.

    • Mit Generationenmanagement sind Rahmenbedingungen gemeint, die allen Altersgruppen Vertrauen und Sicherheit geben, damit diese ihre volle Produktivität entfalten können. Damit soll die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten erhöht und die Arbeitgeberattraktivität eines Unternehmens unterstützt werden.
      foto: istock

      Mit Generationenmanagement sind Rahmenbedingungen gemeint, die allen Altersgruppen Vertrauen und Sicherheit geben, damit diese ihre volle Produktivität entfalten können. Damit soll die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten erhöht und die Arbeitgeberattraktivität eines Unternehmens unterstützt werden.

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