Pech für die Dinos, Glück für uns

9. November 2017, 17:50
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Japanische Forscher rechnen vor, wie unwahrscheinlich das Aussterben der Dinosaurier war. Selbst bei Asteroideneinschlag standen ihre Chancen gut

illustration: mark garlick/picturedesk
Die Welt vor 66 Millionen Jahren: Ein langer Winter setzte der Ära der großen Dinosaurier ein Ende.

Sendai/Wien – 66 Millionen Jahre später kann man konstatieren: Die Dinosaurier hatten wirklich sagenhaftes Pech. Nur durch einen astronomischen Zufall konnte ein Asteroid just im ungünstigsten Moment die Erdbahn kreuzen, um einzuschlagen und eine globale Umweltkatastrophe auszulösen.

Und nun spitzt eine aktuelle Studie das Szenario sogar noch zu. Japanische Forscher rechnen im Fachjournal "Scientific Reports" vor, dass selbst der Einschlag in der Mehrzahl der Fälle glimpflich verlaufen wäre. Die Chancen hätten fast 7:1 zugunsten der Dinos gestanden. Doch es wurde die 1.

Als Grundlage ihrer Kalkulation zogen Naga Oshima und Kunio Kaiho von der Universität Tohoku jene Erklärung für das damalige Massensterben heran, die als die plausibelste gilt: Durch den Einschlag wurden gigantische Materialmengen verdampft und hochgeschleudert. Aerosole gelangten bis in die Stratosphäre und verringerten dort über Jahre hinweg die Sonneneinstrahlung.

In Folge der drastischen Abkühlung starb erst die Vegetation ab, danach die Pflanzen- und schließlich die Fleischfresser. Nur kleinwüchsige, genügsame Tiere fanden noch genug Nahrung, um den jahrelangen Winter zu überdauern – darunter auch relativ viele Säugetiere.

Der Zielort entscheidet

Bereits in einer früheren Studie hatte Kaiho kalkuliert, dass die globalen Durchschnittstemperaturen um mindestens acht bis zehn Grad Celsius gefallen sein müssen, um ein Massenaussterben auszulösen. Immerhin hatten die Dinos im Verlauf ihrer 165 Millionen Jahre langen Geschichte schon so einige Katastrophen überstanden, darunter auch mindestens einen weiteren großen Asteroideneinschlag.

Für einen verheerenden Temperatursturz muss ein Asteroid laut Kaiho aber die "richtige" Stelle treffen. Nur wenn im dortigen Gestein ausreichend Schwefel und vor allem Kohlenstoff gespeichert ist, kann der Einschlag ausreichende Aerosolmengen freisetzen, um zu einer solchen Abkühlung zu führen.

Die Berechnung

Der Geologe spielte also zusammen mit Oshima Weltuntergang und ließ in Computersimulationen einen virtuellen Asteroiden von neun Kilometern Durchmesser auf verschiedenen Punkten der Erdoberfläche einschlagen. Das Ergebnis, basierend auf geologischen Daten über die Zusammensetzung der Erdkruste: Nur etwa 13 Prozent der Erdoberfläche weisen den erforderlichen Charakter auf – darunter eben auch der tatsächliche Einschlagsort nahe der Halbinsel Yucatán. In 87 Prozent der Fälle hätte es zwar einen spürbaren Einschnitt in der Dino-Evolution gegeben, aber keine massenhafte Auslöschung.

Kaiho und Oshima betonen in ihrer Studie mehrfach, wie unwahrscheinlich die so ausgelöste Ereigniskette war: vom Tod aller Dinosaurier (mit Ausnahme der Vögel) über den damit ermöglichten Aufstieg der Säugetiere bis hin zur Entwicklung des Menschen. Das Pech der Dinos war unser Glück.

Zwar ist eine auf wenige Faktoren eingedampfte Kalkulation natürlich mit Vorsicht zu genießen, was die Zahlenangaben betrifft. Die Grundaussage bleibt aber bestehen: Es ist nicht immer die größte Wahrscheinlichkeit, die zur Wirklichkeit wird. (Jürgen Doppler, 9.11.2017)

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