Kurioses Alarmsignal: Australische Tauben lassen Federn schwirren

    11. November 2017, 07:37
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    Forscher führten ein Experiment mit Spitzschopftauben durch, das die Wirksamkeit dieses Warnsystems zeigte

    foto: geoffrey dabb
    Ergreift eine Spitzschopftaube die Flucht, ertönt der Alarm ganz automatisch.

    Canberra – Akustische Kommunikation bedeutet im Tierreich keineswegs nur Vokalisierung. Vom Brustgetrommel eines Gorillas bis zum Schwanzrasseln der Klapperschlange gibt es eine bunte Palette an bedeutungstragenden Lautproduktionen. Und man kann nicht einmal von einer Randerscheinung sprechen: So ist die sogenannte Stridulation – Lauterzeugung durch Aneinanderreiben beweglicher Körperteile – unter Insekten und sogar Spinnen sehr weit verbreitet.

    Von einem bislang übersehenen Fall im Vogelreich berichten nun Forscher der Australian National University im Fachmagazin "Current Biology". Die nur in Australien vorkommende Spitzschopftaube (Ocyphaps lophotes) stößt keinen Warnruf aus, sie nutzt dafür ihre Federn. Allerdings nicht die in ihrem auffälligen Schopf, sondern die an ihren Flügeln. Die achte Schwungfeder ist ungewöhnlich schmal ausgebildet und produziert beim Flattern einen charakteristischen hohen Ton, auf den Artgenossen reagieren.

    foto: geoffrey dabb
    Auch Spitzschopftauben profitieren vom Menschen: Durch die Besiedlung und landwirtschaftliche Umgestaltung Australiens konnten sie sich über fast den ganzen Kontinent ausbreiten.

    Dieses Alarmsystem mutet kurios an, ist aber bestechend pragmatisch: Denn je aufgeregter eine Taube bei Gefahr losflattert, desto schneller ist auch die Folge des dadurch abgegebenen Alarmsignals. Erst mit Hochgeschwindigkeitsvideos konnte das Forscherteam um Trevor Murray den Ursprung des Alarmtons klären – die Idee vom klingenden Flügel war bereits Charles Darwin gekommen.

    Um zu testen, ob der Ton ein bloßes Nebenprodukt des Flatterns ist oder tatsächlich als Signal aufgefasst wird, spielten die Forscher Spitzschopftauben Tonaufnahmen fliehender Artgenossen vor. Und die reagierten darauf ebenfalls mit Flucht. Offenbar verlassen sich die Tiere aber auch ganz auf diesen charakteristischen Ton. Kam das Flattern nämlich von einer Taube, der die Forscher zuvor diese Feder entfernt hatten, blieben ihre Artgenossen in der Regel ratlos sitzen. (jdo, 11. 11. 2017)

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