Mit fremdem Stuhl gegen chronische Darmerkrankung

    9. November 2017, 14:16
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    Eine aktuelle Studie zeigte erneut, dass sich die "Stuhltransplantation" relativ gute zur Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen eignet

    Wien – "Es hat ein bisschen einen Igitt-Faktor", sagte der Grazer Gastroenterologe Christoph Högenauer am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien, "aber die Erfolge von Stuhltransplantationen für Menschen, die unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) leiden, sind enorm." Das zeigte eine erneut eine Studie der Uni Graz, die kürzlich im Fachmagazin "Alimentary Pharmacology & Therapeutics" erschienen ist.

    An der Untersuchung nahmen 27 Patienten mit chronischer Darmentzündung teil. 17 davon erhielten neben einer Antibiotikatherapie auch eine Stuhltransplantation. Dabei wird der Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm eines Kranken übertragen, um dessen geschädigte Darmflora, auch Mikrobiom genannt, wieder aufzubauen. 59 Prozent der Probanden sprachen auf die Behandlung an, bei fast einem Viertel (24 Prozent) klang die Darmentzündung sogar ab.

    Bereits vor zwei Jahren gab es eine ähnliche Studie in Graz, Österreich leiste auf dem Gebiet "Pionierarbeit", meinte Högenauer. "Wir werden von Anfragen verzweifelter Patienten überschwemmt", so der Gastroenterologe weiter. Derzeit werden weitere Studien dazu vorbereitet. In Österreich sind bisher – meist im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen – "ein paar 100" solcher Eingriffe, etwa in Wien, Linz, Innsbruck, St. Veit oder Graz, durchgeführt worden. Dazu werden eigene Spender herangezogen, deren Bakterienbestandteile im Stuhl genau getestet werden. In den Niederlanden, wo eine der ersten Studien zu dem Thema gemacht wurde, gebe es sogar Stuhldatenbanken, ähnlich wie Blutdatenbanken, berichtete Högenauer.

    Was das Risiko triggert

    Ein wichtiges Ziel der aktuellen medizinischen Forschung ist dem Experten zufolge die gezielte Veränderung des intestinalen Mikrobioms, um das Immunsystem und die Darmerkrankungen günstig zu beeinflussen. Neben der Stuhltransplantation geschieht dies auch durch gezielte Ernährung (wenig rotes Fleisch) und die Gabe von lebenden Bakterien. Denn äußere Einflüsse wie Ernährung, Umweltfaktoren, Medikamente, Krankheiten oder Fernreisen können das Mikrobiom verändern, was wiederum eine wichtige Rolle in der Entstehung von Krankheiten spielt.

    So zeigen unterschiedliche Studien, etwa auch aus Österreich, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien bei Patienten bei Dickdarmkrebs verändert ist, sagte Alexander Moschen von der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin. Weltweit stellt das Dickdarmkarzinom die vierthäufigste Todesursache dar.

    Warnung vor unseriösen Praktiken

    "Trotz einer gewissen genetischen Prädisposition, die sich durch familiäre Häufung und den Nachweis von mehr als 200 mit CED assoziierten Mutationen ergibt, ist die wesentliche Ursache der Erkrankung wohl in der westlichen Lebensweise zu suchen", betonte Gottfried Novacek von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien. Diesen Schluss legt auch die Krankheitsprävalenz nahe, die in den Industrieländern am höchsten ist. In Österreich sind Schätzungen zufolge zwischen 40.000 und 80.000 Menschen von CED betroffen – in den Städten mehr als im ländlichen Bereich.

    Der am besten belegte Umweltfaktor ist laut Novacek das Rauchen. "Morbus Crohn-Patienten, die rauchen, haben einen schlechteren Krankheitsverlauf. Nach Beenden des Rauchens kann der weitere Verlauf jenen der Nichtraucher entsprechen. Weiters ist belegt, dass die gehäufte Gabe von Antibiotika, speziell bei Kindern, das Risiko in der Folge an CED zu erkranken, erhöhen kann", erklärte der Experte.

    Was die Therapieoption der "Stuhltransplantation" betrifft, warnte Högenauer vor Missbrauch. Darmflora-Analysen von niedergelassenen Ärzten sowie die dabei angebotenen Stuhltransplantation seien unseriös. Derzeit werde der Eingriff zum großen Teil nur innerhalb von Studien durchgeführt, außer bei jenen Patienten, wo nichts mehr hilft. (red, APA, 9.11.2017)

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