Klimakonferenz: Auch Syrien macht beim Klimaschutz mit

    8. November 2017, 17:42
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    Bei der Klimakonferenz in Bonn geht es vor allem um Statistik und Regeln. Dennoch startete die Konferenz schwungvoll mit der Beitrittserklärung Syriens. Damit haben alle Länder den Klimavertrag unterzeichnet

    Wien/Bonn – Vor zwei Jahren wurde der Klimavertrag von Paris frenetisch gefeiert. Zwei Jahre später herrscht bei der 23. Klimakonferenz in Bonn eher Ernüchterung. In einer kurz zuvor veröffentlichten Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) wird erneut darauf hingewiesen, dass die Klimaschutzzusagen der Länder bisher nur ein Drittel von dem abdecken, was nötig wäre, um das im Klimavertrag festgelegte Zwei-Grad-Ziel zu halten. Die ersten Tage der Klimakonferenz waren zudem durch internationale Kritik an der Klimapolitik von US-Präsident Donald Trump geprägt. Dieser hatte im Juni verkündet, dass sein Land aus dem Völkerrechtsvertrag wieder aussteigen werde – Trump sehe darin einen Wettbewerbsnachteil.

    Durch diesen Schritt isolieren sich die USA international in der Klimapolitik. Denn Syrien hatte am Dienstag in Bonn verkündet, dass es als letztes Land das Klimaabkommen unterzeichnen werde. Heather Nauert, die Sprecherin des US-Außenministeriums, bekräftigte daraufhin noch einmal die Austrittspläne der USA. In Richtung Syrien meinte sie, dass es "ironisch" sei, dass Syrien sich um das Klima sorgt: "Wenn die Regierung von Syrien sich so sehr darum sorgt, was in die Luft geblasen wird, würde sie nicht ihr eigenes Volk vergasen."

    Ein Zusammenschluss von US-Klimaschützern unter dem Titel "U.S. People's Delegation" protestierte am Rande der Klimakonferenz gegen die US-Umweltpolitik. Nicht alle Amerikaner stünden hinter den Entscheidungen des US-Präsidenten, sagte Mitglied Dyanna Jaye: "Von monströsen Stürmen über Waldbrände bis zu tödlichen Hitzewellen im amerikanischen Westen – 2017 hat gezeigt, welche Bedrohung vom Klimawandel ausgeht."

    Kritik kommt auch an der Strom- und Wärmegewinnung durch Verbrennung von Kohle. Die USA sind nach China der zweitgrößte Verursacher des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Ein Ausstieg aus der Braunkohle betrifft aber nicht nur die USA. Auch in Deutschland gilt das Thema als großer Streitpunkt in den Jamaika-Sondierungen von Union, FDP und Grünen. Am Wochenende vor der Konferenz demonstrierten mehrere Tausend Umweltschützer in Deutschland für einen raschen Ausstieg. Das Ende der Energiegewinnung aus fossilen Trägern wäre international eine der wirkungsvollsten Klimaschutzmaßnahmen.

    Russland ohne Ratifizierung

    Ein weiterer Punkt zur Sorge ist jener, dass zwar alle Staaten den Pariser Klimaschutzvertrag unterzeichnet, aber erst knapp 170 Staaten auch bereits ratifiziert haben. Der russische Präsident Wladimir Putin hat zum Beispiel noch kein Signal gegeben, das Abkommen ratifizieren lassen zu wollen.

    Die aktuelle Studie der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zeigt, dass eine raschere Umsetzung von Klimaschutzstrategien dringend notwendig wäre: Die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre stieg 2016 auf 403,3 ppm (Teilchen pro eine Million Teilchen) und damit auf den höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren. Ähnlich sieht es bei Methan aus, das vor allem durch die industrielle Tierhaltung und durch die Gewinnung von Erdgas durch Fracking entsteht. "Dies ist der Augenblick der Wahrheit", mahnte angesichts der Herausforderungen Frank Bainimarama, Regierungschef des Vorsitzlandes Fidschi, gleich zu Beginn der Konferenz, die aus logistischen Gründen in Bonn stattfindet.

    Bis Ende kommender Woche soll dort vor allem eine Aufgabe gelöst werden: Ein detailliertes Regelwerk, das "Paris Agreement Rulebook", soll erstellt werden, mit dem die Länder ihre Emissionen statistisch erfassen sollen. Dadurch soll ein Vergleich der Emissionseinsparungen fairer und eine Schönung der Zahlen verhindert werden. 100 Länder haben übrigens bisher gar keine Methodik zur Messung. Neben dem Regelwerk wird als zweiter Schwerpunkt der "Facilitative Dialogue" auf Schiene gebracht: Er soll die einzelnen Staaten ab 2020 zu ambitionierteren Klimazielen verpflichten. (Julia Schilly, 8.11.2017)

    • Wenn der Eisbär demonstriert, ist wieder Klimakonferenz. Die USA stehen wegen ihres angedrohten Austritts aus dem Klimavertrag und intensiven Kohleabbaus unter Kritik bei der 23. Klimakonferenz.
      foto: reuters / wolfgang rattay

      Wenn der Eisbär demonstriert, ist wieder Klimakonferenz. Die USA stehen wegen ihres angedrohten Austritts aus dem Klimavertrag und intensiven Kohleabbaus unter Kritik bei der 23. Klimakonferenz.

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