Gemeinsame Schule: Wirtschaft im Westen macht Druck

8. November 2017, 16:33
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Die Wirtschaftskammer Vorarlberg lud zum Bildungsforum. Ihr Ziel: Die Modellregion zur gemeinsamen Schule soll rasch realisiert werden

Bregenz – Der Wirtschaftskammer Vorarlberg geht die Bildungsreform zu langsam. Während sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung rasant verändere, ließen Verbesserungen des Bildungssystems weiter auf sich warten, kritisierte Kammerpräsident Hans Peter Metzler am Dienstag beim Bildungsforum der Wirtschaftskammer vor rund 1.300 Lehrerinnen und Lehrern.

Die Kammer veranstaltet solche Weiterbildungsforen mit internationalen Experten seit 2013. Mindestens so lange wird in Vorarlberg schon über die Einführung der gemeinsamen Schule diskutiert. 2017 gab der Bund grünes Licht für Schulreformen in Modellregionen. Vorarlberg müsse rascher als geplant zur Modellregion für die gemeinsame Schule werden, sagte Metzler nun.

Das Jahr 2025 hat sich die Landesregierung als erstes Etappenziel für die Einführung der gemeinsamen Schule gesetzt. Daran wolle man auch festhalten, sagte Landeshauptmann Markus Wallner (VP) beim Bildungsforum. Rund zehn Jahre werde der Entwicklungsprozess aber dauern, verwies Wallner auf eine Studie, die Basis für die Schulreform ist. Er verhehlte auch nicht, dass die Vorarlberger Volkspartei bei ihrem Ja zur gemeinsamen Schule von der Bundespartei nicht unterstützt wird. Er habe sich von Parteichef Sebastian Kurz aber zusichern lassen, dass die neue Regierung zur Entscheidung für Modellregionen stehen werde.

Beste Bildung von Anfang an

Andreas Salcher, Unternehmensberater und Kritiker des Bildungssystems, wurde von Kurz als Experte in die Regierungsverhandlungen geholt. Er skizzierte beim Forum sein nationales Bildungsziel: "Österreich soll die besten Kindergärten und die besten Volksschulen bekommen." Nur durch gute Basisbildung lasse sich der hohe Anteil (21 Prozent) von Jugendlichen, die nach neun Schuljahren nicht richtig lesen und schreiben können, reduzieren. Salcher sprach sich unter tosendem Applaus für rigorosen Bürokratieabbau im Schulwesen aus: "Alle bürokratischen Maßnahmen, die keinen Nutzen bringen, gehören ersatzlos gestrichen."

Einig war sich Salcher mit den anderen Referenten, dem Mathematiker und Autor Gunter Dueck, Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff und Schuldirektorin Angelika Knies, dass Schule künftig ihren Schwerpunkt auf die Vermittlung sozialer und emotionaler Kompetenz verlagern muss. Knies, Leiterin der Anne-Frank-Schule Bargteheide, die beim Forum als bestes Beispiel für die Förderung von schwachen wie hochbegabten Kindern präsentiert wurde, mahnte zu Geduld. Bis sich ihre Reformschule, die den Deutschen Schulpreis 2013 erhielt, etablieren konnte, vergingen 15 Jahre des Aufbauens und Probierens. (Jutta Berger, 8.11.2017)

  • 1.300 Lehrende lauschten im Bregenzer Festspielhaus den Ideen zur Schulzukunft.
    foto: wkv/mathis

    1.300 Lehrende lauschten im Bregenzer Festspielhaus den Ideen zur Schulzukunft.

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