Persönlichkeitsrechte: Funke-Chefin erinnert eigene Boulevardblätter an Grenzen

8. November 2017, 15:52
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Nächste Vorsitzende der Funke-Gruppe Julia Becker über die Stärke von Familienunternehmen und moralische Grenzen in der Yellowpress

Berlin – Selbstkritisch zeigte sich die neue starke Frau der Funke-Gruppe bei einer Verlegertagung in Berlin. Julia Becker, die ab 2018 den Aufsichtsratsvorsitz von ihrer Mutter Petra Grotkamp übernimmt, mahnte auch von ihren eigenen Blättern mehr Verantwortung ein, berichtet das Branchenblatt Horizont.net.

"Wir Verlage haben in den vergangenen Jahren auch deshalb so viele zahlende Leser verloren und verlieren sie leider weiter, weil wir nicht gute Inhalte geliefert haben und liefern", sagte Becker bei ihrem ersten großen öffentlichen Auftritt.

Die Rolle von Familienunternehmen in der Medienlandschaft streicht die Enkelin von Gründer Jakob Funke hervor. Diese könnten langfristiger denken und wären nicht von kurzfristigen Shareholder Value getrieben.

"Grenze überschritten"

Der Widerspruch zwischen objektiven Journalismus in Zeitungen und den Boulevardzeitschriften wie "Bunte" oder "die aktuelle" ist Becker bewusst. Aber die "sogenannten 'Yellows' haben einen unterhaltenden Auftrag". Nicht nur wegen der teuren Prozesse in der Vergangenheit habe man aber eine moralische Verpflichtung – selbst definierte – Grenzen zu wahren, sagt sie im Interview mit turi2/Horizont: "Eine Grenze ist überschritten, wenn sie jemanden für tot erklären, der noch lebt und auch, wenn es an die Verletzung von Persönlichkeitsrechten geht."

Die Funke-Gruppe ist in Österreich mit 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" und 49,44 Prozent am "Kurier" beteiligt. (red, 8.11.2017)

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