Kernaktionär B&C gibt Semperit Gummi

7. November 2017, 18:40
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Nach Misserfolgen müsse Gummikonzern Semperit eine andere Strategie konsequent umsetzen, fordert der Kernaktionär B&C – und sucht andere Beteiligungen

Wien – Der Mehrheitseigentümer des börsennotierten Gummi- und Kautschukkonzerns Semperit stellt dem neuen Management die Rute ins Fenster: "Ich will wirksame Maßnahmen sehen, sonst kriegen wir bei Semperit nicht die Kurve", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der B&C-Industrieholding, Wolfgang Hofer, in einem Interview mit dem Industriemagazin. Nicht nur der seit Juni im Amt befindliche Vorstandschef Martin Füllenbach sei gefordert, sondern das ganze Vorstandsteam.

"Derzeit läuft ein Prozess, der alles auf den Prüfstand stellt", sagte Hofer. Zuerst gehe es um die Klärung des Istzustands, daraus werde eine Strategie destilliert, von der zu erwarten sei, "dass sie entschieden umgesetzt wird".

Erfolg Thailand-Trennung

Generell sieht Hofer bei Semperit einigen "arbeitsbedingten Misserfolg" und "marktbedingte Misserfolge" wie Verteuerungen bei Naturkautschuk. Die Scheidung vom thailändischen Latexkonzern Sri Trang noch unter Füllenbach-Vorgänger Thomas Fahnemann sei kein Fehler, sondern ein Erfolg gewesen. "Er hat ein leidiges Problem gelöst und Kapital freigesetzt", so Hofer.

Zu den arbeitsbedingten Misserfolgen zählt Hofer, dass seit dem Abgang von Langzeit-CEO Rainer Zellner im Jahr 2011 Semperit weiter wichtige Entscheidungen aufgeschoben habe. "Es sind Werke mitgeschleppt worden, die man eigentlich schon hätte schließen oder veräußern sollen. Auch die IT ist nicht auf dem Stand der Zeit", sagte Hofer. Die IT-Systeme von Semperit würden maximal an der Schwelle zu Industrie 2.0 stehen. Von Industrie 4.0 sei keine Rede.

Neue Industriebeteiligungen

Was nach dem Verkauf von zwölf Prozent an Lenzing den Zukauf einer anderen Kernbeteiligung betrifft, gibt sich Hofer zurückhaltend. "Wir prüfen, wie wir eine neue Kernbeteiligung generieren können. Aber es ist eine schwierige Zeit, um zu kaufen", so Hofer. "Wir sind in einem Verkäufermarkt, in dem die Preise schon recht bis sehr hoch sind."

Interessiert sei man an Industrieunternehmen, die über zukunftsweisende Technologien verfügten. Dazu zählt Hofer etwa den deutschen Leuchtenhersteller ZKW. Aber der stehe schon in exklusiven Verhandlungen mit einem anderen Unternehmen. (APA, 8.11.2017)

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