Saudi-Arabien verschärft die Kriegsrhetorik im Jemen

    7. November 2017, 17:10
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    Der saudische Kronprinz Mohammed beschuldigt den Iran, die schiitischen Rebellen im Jemen mit Raketen zu beliefern – was einem "kriegerischen Akt" gegen sein Land gleichkomme

    Sanaa/Kairo – Die UN haben am Dienstag an Saudi-Arabien appelliert, die Blockade gegen den Jemen aufzuheben. Hilfslieferungen würden behindert – und zwar in einem Moment, in dem das Land die schlimmste humanitäre Krise des Planeten durchmache. Derzeit seien Nahrung, Brennstoff und Medikamente für sieben Millionen Menschen blockiert, erklärte der Sprecher des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten, Jens Laerke, in Genf. Mehrere Flüge könnten nicht durchgeführt werden, Schiffe säßen in Häfen fest. Benzin und Küchengas sind laut Laerke zuletzt um 50 bis 60 Prozent teurer geworden.

    Riads "provisorische" Blockade aller Grenzverbindungen zu Land, zu Wasser und über den Luftweg war die Folge eines versuchten Raketenangriffs der schiitischen Huthi-Rebellen vom vergangenen Samstag: Die Scud-Rakete konnte in der Nähe des Flughafens von Riad abgefangen werden.

    Saudi-Arabien wirft dem Iran vor, die schiitischen Aufständischen mit Waffen zu beliefern, und verschärfte am Dienstag seine verbalen Angriffe gegen Teheran ein weiteres Mal. Kronprinz Mohammed bin Salman bezeichnete iranische Raketenlieferungen an die Huthis als militärische Aggression, als einen "kriegerischen Akt" gegen sein Land.

    Der Iran bestreitet die Waffenlieferungen und sprach von einer unabhängigen Huthi-Aktion. Das Außenministerium nannte die saudischen Anschuldigungen ungerecht, verantwortungslos, destruktiv und provokativ.

    Raketen als Drohung

    Die Huthis hatten in den vergangenen Monaten immer wieder saudisches Territorium angegriffen – so nahe an das Machtzentrum waren die Geschoße aber noch nie gekommen. Ihre Führung drohte, man sei jederzeit in der Lage, Häfen und Flughäfen im Königreich und in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu treffen.

    Als die Huthis 2014 das Land überrollten, fielen ihnen auch die riesigen Waffenarsenale der Armee des früheren Präsidenten Abdullah Saleh in die Hände, mit dem sie sich in der Zwischenzeit verbündet haben. Riad hat zu Wochenbeginn eine Liste mit 40 Namen von politischen und militärischen Huthi-Führern veröffentlicht und insgesamt 430 Millionen Dollar (370 Millionen Euro) Belohnung für Informationen zu deren Ergreifung ausgesetzt.

    Mit dieser Eskalation sind die Bemühungen um eine politische Lösung durch UN-Vermittler Ismail Ould Sheikh Ahmed in noch weitere Ferne gerückt. Diese werden nicht nur durch den regionalen Machtpoker behindert, sondern auch durch die komplexen Allianzen der Kriegsparteien.

    Zwischen den vom Iran unterstützten schiitischen Huthis und Saleh herrscht tiefes Misstrauen, das bereits mehrmals zu bewaffneten Auseinandersetzungen geführt hat. Auf der anderen Seite ist die saudisch geführte Koalition tief zerstritten, die seit mehr als zwei Jahren mit massiven Bombardierungen versucht, die Huthis zu besiegen und die international anerkannte Regierung von Präsident Abbed Rabbo Mansour Hadi wieder an die Macht zu bringen. Die Emirate unterstützen in Aden, wo die jemenitische Regierung provisorisch residiert, die Unabhängigkeitsbewegung des Südens. Auch deshalb kann Hadi nicht aus seinem saudischen Exil nach Aden zurückkehren. (Astrid Frefel, 7.11.2017)

    • Ein schiitischer Huthi-Kämpfer auf einem zerbombten Paradeplatz in Jemens Hauptstadt Sanaa.
      foto: reuters / khaled abdullah

      Ein schiitischer Huthi-Kämpfer auf einem zerbombten Paradeplatz in Jemens Hauptstadt Sanaa.

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